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Landwirtschaft Ochsen als Zugtiere haben auf deutschen Äckern Seltenheitswert – Idealisten und Wissenschaftler setzen sie dennoch ein

Feldarbeit wie in grauer Vorzeit

Lorsch/Weißenborn.David und Dodo sind nicht so recht motiviert für die Feldarbeit. Einiges fällt ihnen leicht, bei anderen Arbeiten gehen sie schon mal in die Knie. Die beiden kräftigen Burschen leben das ganze Jahr im Freien. David ist zehn und Dodo fünf Jahre alt. Wenn sie nicht schlafen oder essen, ist der Lebensinhalt der beiden mehrere hundert Kilogramm schweren Ochsen die Ackerarbeit. „Das sind im Grunde Leistungssportler“, sagt der Leiter des experimentalarchäologischen Freilichtlabors Lauresham im südhessischen Lorsch, Claus Kropp. Die beiden Ochsen der Rasse Rätisches Grauvieh müssen Pflüge ziehen, werden bei Mäh- oder Holzrückarbeiten eingesetzt.

„Wir machen alle landwirtschaftlichen Arbeiten mit den Rindern“, sagt Kropp. In Lauresham wird gebaut und auf dem Feld gewirtschaftet wie im Mittelalter, mit den Rindern als Arbeitstieren und ohne jeden Spritverbrauch. Nur vereinzelt kommen auch modernere Gerätschaften zum Einsatz, zum Beispiel beim Mähen. Traktoren sucht man aber vergebens. Bis in die 50er Jahre seien solche Zugochsen weit verbreitet gewesen. Jetzt sei das Museum einer der wenigen landwirtschaftlichen Betriebe, der die Tiere intensiv im Ackerbau nutze.

Allerdings muss das Arbeiten mit den Tieren auch wirtschaftlich sein. Im Freilichtmuseum gibt es drei Ochsen, zwei Kühe und seit jüngstem zwei Bullenkälber, die jetzt nach und nach ausgebildet werden. „Ein richtig schwerer Arbeitseinsatz ist aber erst mit zweieinhalb Jahren möglich, wenn die Tiere ausgewachsen sind“, sagt Kropp. „Wir haben auch schon angelernte Rinder verkauft und weitere Nachfragen für noch nicht einmal geborene.“ Arbeiten müssen die Tiere, solange das gesundheitlich geht. Ihren Lebensabend verbringen sie nicht im Museum, sie sind auch Fleischlieferant.

Einsatz beim Baumfällen

Die stämmigen Wiederkäuer könnten Kropp zufolge vor allem in kleineren Betrieben und in unwegsamen Gelände zum Beispiel bei Baumfällarbeiten zum Arbeitseinsatz kommen. Auch in Entwicklungsländern könnten die Tiere eingesetzt werden. So hatte zum Beispiel das von immensen wirtschaftlichen Problemen gebeutelte Kuba unlängst angekündigt, wegen Spritmangels rund 4000 Ochsengespanne in der Landwirtschaft einsetzen zu wollen. In den großen und modernen deutschen Landwirtschaftsbetrieben sind sie keine Alternative.

Wie viele solcher Zugtiere auf deutschen Höfen noch im Einsatz sind, weiß auch der Deutsche Bauernverband nicht. „Diese sehen wir schon seit 50 Jahren nur noch in Museumsdörfern“, sagt Generalsekretär Bernhard Krüsken.

„Es ist ein reines Nischenprodukt“, sagt auch Züchter Gerhard Döring aus dem nordhessischen Weißenborn an der Grenze zu Thüringen. „Das ist Idealismus.“ Je nach Ausbildungsstand koste ein Tier zwischen 2000 und 3500 Euro. Die Haltungskosten seien allerdings gering. Im Winter bräuchten die Tiere zehn Kilo Heu, Wasser und ein wenig Mineralfutter.