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Energie Untersteller bewertet Baden-Württemberg als lohnenden Standort – aber 2018 bisher nur 27 neue Anlagen gebaut

Flaute bei der Windkraft

Archivartikel

Stuttgart.Nur 27 neue Windräder gingen im ersten Halbjahr 2018 in Baden-Württemberg ans Stromnetz. Dies ist ein deutlicher Rückgang gegenüber den beiden vorangegangenen Jahren, als jeweils mehr als 120 Anlagen in Betrieb genommen wurden. Dabei betont Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Standorte: „Baden-Württemberg ist ein lohnender Standort für die Stromerzeugung durch Windkraft.“ Durch spezielle und immer größere Anlagen gebe es „keinen entscheidenden Wettbewerbsnachteil mehr im Vergleich zu anderen Bundesländern“.

Untersteller hat die Experten seines Hauses umfangreiche Berechnungen anstellen lassen, um die Wettbewerbsfähigkeit nachzuweisen. Das Ergebnis: Die durchschnittlich 1858 Volllaststunden pro Jahr sind für den Minister eine „beeindruckende Größe“. Durch die technologische Weiterentwicklung der Anlagen für Binnenländer könne der Südwesten im „Konzert der Windländer durchaus mithalten“. Das deutlich windreichere Brandenburg komme zum Beispiel auf 2010 Volllaststunden.

Die Experten gehen in Modellrechnungen davon aus, dass in einem durchschnittlichen Windjahr bei den in den letzten Jahren installierten Windrädern sogar 2200 Volllaststunden zu erwarten sind. Dazu lägen aber noch keine Daten vor. Schon jetzt gab es Spitzenwerte an einzelnen Standorten mit 2600 Stunden Volllast pro Jahr. Aber einzelne Windparks erreichten am Ende der Skala auch nur 1600 Stunden.

Die Volllaststunden machen die Windräder vergleichbar. Dazu wird die tatsächliche Stromerzeugung umgerechnet auf die Höchstleistung. Ein Rotor, der zehn Stunden nur mit zehn Prozent der Nennleistung läuft, erreicht in dieser Zeit also nur eine Volllaststunde. Zum Vergleich: Atomkraftwerke schaffen in Deutschland etwa 7400 Volllaststunden im Jahr.

Immer höher, immer stärker

Seit 2013 werden im Südwesten speziell für das Binnenland konstruierte Windräder errichtet. Im Durchschnitt liegt die Nabe inzwischen bei 146 Meter Höhe, die Rotoren haben einen Durchmesser von 122 Meter. Die mittlere Leistung beträgt bei den 2018er-Modellen 3,3 Megawatt.

Trotzdem kam es in diesem Jahr zu einem tiefen Einbruch bei der Installation neuer Windräder im Südwesten. Die Ursache liegt in den Veränderungen der Förderbedingungen Anfang 2017. Der Bund wollte die Kosten für die Stromkunden, die den Ausbau der erneuerbaren Energien über eine Umlage zahlen, eindämmen. Seither müssen die Investoren für alle größeren Anlagen (über 750 Kilowattstunden) sich Ausschreibungen stellen. Wer den geringsten Subventionsbedarf anmeldet, bekommt den Zuschlag. Der Südwesten hat da Nachteile gegenüber den windreichen Küstenländern. Zudem sind die ertragreichen Standorte in den Mittelgebirgen oft nur mit hohen Kosten zu erschließen.

Trendwende 2018

Wie schlecht die Karten Baden-Württembergs in dieser Konkurrenz sind, zeigt Unterstellers Statistik: 2017 fielen bis auf eine einzige Anlage alle Anträge durch. 2018 hat sich die Situation wieder etwas gebessert. Bei den bisherigen Ausschreibungen kamen 17 Anlagen zum Zug. Bei der gerade anhängigen Runde sind 18 weitere im Wettbewerb.

Die 27 Windräder, die in diesem Jahr bisher ans Netz gingen, resultieren allesamt aus der Zeit des alten Fördersystems. Erst für Dezember sind die Inbetriebnahmen nach dem neuen Gesetz angekündigt. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg geht davon aus, dass in diesem Jahr insgesamt 37 Windräder mit der Stromerzeugung starten. Zum Vergleich: 2017 waren es 123.

Die Investoren haben sich durch die widrigen Bedingungen bisher nicht entmutigen lassen. Zur Jahresmitte befanden sich 134 Bauanträge im langwierigen Genehmigungsverfahren. Offenbar setzen viele darauf, dass Untersteller mit seiner Forderung nach besseren Förderbedingungen Erfolg hat.