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Migration Erstaufnahme besonders von Infektionen betroffen

Flüchtlingsrat fordert dezentrale Unterbringung

Archivartikel

Stuttgart.Der baden-württembergische Flüchtlingsrat fordert, Flüchtlinge angesichts der Corona-Pandemie dezentral und nicht in Massenunterkünften unterzubringen. Die Menschen hätten in dieser erzwungenen Form des Wohnens viel weniger Möglichkeiten, sich vor Infektionen zu schützen, sagte Seán McGinley vom Flüchtlingsrat.

In der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) Ellwangen gilt seit fast fünf Wochen eine Ausgangssperre für Bewohner - egal ob sie positiv oder negativ auf das Coronavirus getestet wurden. Zwischenzeitlich waren dort mehr als zwei Drittel der Bewohner infiziert. Derzeit sind laut Regierungspräsidium Stuttgart 79 der rund 500 Flüchtlinge positiv getestet. An diesem Sonntag soll die Ausgangssperre auslaufen. Bewohner klagen über Belastung durch die Angst vor der Krankheit und die Einschränkungen im Alltag. Der Aktivist Rex Osa sagte, Geflüchtete würden wie Menschen zweiter Klasse behandelt. McGinley kritisierte, die Rhetorik, die Pandemie sei eine monumentale gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der alle an einem Strang ziehen müssten, gelte für sie nicht. Die Bewohner hätten Kontakt mit Verdachtspersonen, sagt McGinley. „Die befinden sich in einer Dauerschleife der Quarantäne.“

Das Innenministerium verweist darauf, seit März neue Kapazitäten geschaffen zu haben und so die Belegungsdichte in den Unterkünften auf 40 Prozent reduziert zu haben. Schwere Verläufe und Todesfälle gab es laut Regierungspräsidium nicht. Drei Menschen seien vorsorglich ins Krankenhaus gekommen. Ein großer Teil der Bewohner sind junge Männer – die nicht zur Risikogruppe gehören. 

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