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Luftverkehr Richterbund schlägt Alarm / Akten stapeln sich, und Mitarbeiter sind genervt / Streit um Entschädigungen

Fluggast-Klagen belasten die hessische Justiz

Frankfurt.Stapelweise Akten und dazu genervte Mitarbeiter: Die enorme Anzahl von Fluggastklagen macht dem Frankfurter Amtsgericht zu schaffen. „Es ist die schiere Masse, die uns sehr stark beansprucht“, sagt Richter Karl-Stefan Konow, der für Zivilprozesse zuständige Sprecher des Frankfurter Amtsgerichtes. Passagieren stehen bei verspäteten oder ausgefallenen Flügen oftmals Entschädigungen zu. Wenn Airlines nicht zahlen, kommt es zu juristischen Schritten.

Auch der Richterbund Hessen schlug unlängst Alarm: Die wachsende Zahl der Fälle führe zu Problemen im Geschäftsbetrieb, erklärte der stellvertretende Landesvorsitzende, Johannes Schmidt. „Mit Blick auf die Vielzahl dieser Bagatellverfahren besteht die Befürchtung, dass andere wichtige Arbeiten des Amtsgerichts darunter leiden.“

Hamburg geht es ähnlich

Laut Richterbund hat sich der Anteil entsprechender Klagen am Gesamtaufkommen der Eingänge beim Frankfurter Amtsgericht seit dem Jahr 2015 mehr als verdoppelt. Schätzungen zufolge werden in diesem Jahr bis zu 16 000 Reisesachen eingehen, wobei es dabei in aller Regel um Fälle wegen Flugverspätungen und -ausfällen gehe. Das Amtsgericht ist für den Frankfurter Flughafen – den größten Airport Deutschlands – zuständig.

Das Problem ist aber auch in anderen Städten bekannt. Am Hamburger Amtsgericht kam es 2017 zu geschätzten 1500 Fluggastklagen gegen Airlines. In diesem Jahr könnten es 4000 werden. Auffällig sei, dass Passagiere sich vermehrt an Dienstleister wendeten, die dann im eigenen Namen Entschädigungen einforderten, hieß es in der Hansestadt. „Es handelt sich um einen wachsenden Markt“, sagte kürzlich auch Schmidt vom Richterbund. Das liege auch daran, dass die Inkassounternehmen ihr Angebot aktiv und erfolgreich bewerben würden.

Laut EU-Fluggastrechte-Verordnung steht Passagieren bei Annullierungen oder starken Verspätungen eine Entschädigung zu. Je nach Flugdistanz gibt es zwischen 250 und 600 Euro. Bei „außergewöhnlichen Umständen“ entfällt der Anspruch. Für Dienstleister wie Anwaltsbüros, Inkassofirmen oder Express-Entschädiger hat sich daraus in den vergangenen Jahren ein lukrativer Markt entwickelt. Vor allem im Netz findet man zahlreiche Portale, die darauf spezialisiert sind, das Geld einzutreiben – sie behalten dafür einen gewissen Anteil ein.

Belastend und nervig sei, dass die Unternehmen ihre Klagen häufig gebündelt einreichten, heißt es beim Frankfurter Amtsgericht. „Oft kommt gleich ein großes Paket an“, sagt Konow.