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Kinderbetreuung Eisenmann schmiedet einen neuen Bildungspakt / Eltern müssen teilnehmen

Fördergespräche werden Pflicht

Archivartikel

Stuttgart.Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will die Kindergärten personell besser ausstatten und die Sprachförderung ausbauen. Dies sieht der mit den Kommunen ausgehandelte „Pakt für gute Bildung und Betreuung“ vor. „Je früher und intensiver Kinder gefördert werden, desto besser gelingt ihnen der Übergang in die Grundschule und später in die weiterführenden Schulen“, sagte die CDU-Politikerin gestern bei der Vorstellung. 80 Millionen Euro jährlich werden die Verbesserungen das Land kosten.

Ein Schwerpunkt des Pakts ist die Sprachförderung. Die Einschulungsuntersuchung zeigt laut Eisenmann seit Jahren einen „massiven Förderbedarf“ bei 30 Prozent aller Fünfjährigen. „Diese Kinder brauchen eine gezielte sprachliche Anregung und verbindliche Förderung“, betont die Ministerin. Das künftige Konzept werde neben bewährten Elementen auch altersgemäße mathematische und motorische Elemente enthalten. Die Eltern will die Ministerin zur Teilnahme an dem Gespräch über die notwendigen Fördermaßnahmen verpflichten. Eisenmann: „Die Eltern sollen den Druck verspüren, dass sie sich zum Wohle des Kindes engagieren.“ Aber die Förderangebote für die Vorschulkinder bleiben freiwillig. Hamburg schreibt die Teilnahme vor.

100 Euro Prämie für Azubis

Im Kampf um Fachkräfte für die Kitas setzt Eisenmann auf das Modell der praxisintegrierten Ausbildung. Knapp 4000 angehende Erzieher lernen ihren Beruf in dieser neuen Form einer dualen Ausbildung. So schnell wie möglich will das Land 1000 zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen, auf lange Sicht die Zahl sogar verdoppeln. Im Unterschied zu den 6500 Teilnehmern in der klassischen Erzieherausbildung mit einer zweijährigen, kostenpflichtigen Fachschule gibt es in der neuen Alternative eine Ausbildungsvergütung. Die Kindergärten, die Stellen für solche Azubis schaffen, erhalten pro Platz und Monat 100 Euro aus der Landeskasse. „Das soll die Wertschätzung für den Beruf ausdrücken“, sagt die Ministerin.

Bis mehr Erzieher ausgebildet sind, fordern die Kommunen eine Lockerung der Gruppengrößen. Vorübergehend sollten zwei bis drei Kinder zusätzlich aufgenommen werden können. Bisher sind bei unter Dreijährigen höchstens zehn Kinder in einer Gruppe, bei den älteren maximal 28 Kinder. Eisenmann betont, dass vor einer Genehmigung die Regierungsfraktionen von Grünen und CDU gehört werden sollen. Dort gebe es Vorbehalte.

Die Kitas, die behinderte Kinder betreuen, können künftig mit mehr Hilfen rechnen. Für inklusive Kinder werde der doppelte Förderzuschuss bezahlt. Geplant sind zudem Qualitätsbegleiter, die das erzieherische Personal auf die Herausforderung der Inklusion vorbereiten. Zunächst sollen Erfahrungen mit einem Modellversuch in vier bis sechs Regionen gesammelt werden. Auf gut 30 Millionen Euro veranschlagt Eisenmann das alles.

Bisher basiert die pädagogische Arbeit in den Kitas auf einem zehn Jahre alten Orientierungsplan. Den sollen unabhängige Wissenschaftler auf Reformbedarf untersuchen. Nur bei der Sprachförderung will Eisenmann nicht auf die Ergebnisse der Evaluation warten.

Ein Geldsegen kommt auf 3700 öffentlichen Kitas und die 5100 in freier Trägerschaft zu, wenn die Bundesregierung ihre im schwarz-roten Koalitionsvertrag fixierten 5,5 Milliarden Euro auszahlt. Nach Baden-Württemberg fließen dann bis 2022 rund 720 Millionen Euro. Damit soll vor allem die Gebührenfreiheit finanziert werden.

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