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Einweihungsfest Oberbürgermeister Peter Feldmann gibt Startschuss für offizielle Eröffnung der restaurierten Altstadt

Frankfurt mit „Herz und Seele“

Archivartikel

Frankfurt.Nein, die 2007 noch während ihrer Amtszeit von Petra Roth (CDU) geäußerte Hoffnung wird sich nicht erfüllen. Vor elf Jahren hatte sie sich gewünscht, als Krönung ihrer 17 Jahre als Frankfurter Oberbürgermeisterin (1995-2012) die prachtvolle „Goldene Waage“ in der neuen, alten Mitte einweihen zu können. Vergeblich. Doch die Politikerin war gestern dabei, als ihr Nachfolger Peter Feldmann (SPD) das über den historischen Krönungsweg gespannte rote Samtband symbolisch durchschnitt und damit auch den „Startschuss“ für die offizielle Eröffnung der neuen Frankfurter Altstadt gab, wo besagte „Goldene Waage“ steht.

Zugleich läutete er die dreitägigen Feierlichkeiten ein. „Wir geben der Stadt Herz und Seele zurück“, sagte Feldmann. Er war voll des Lobes über das Konzept für das wiederaufgebaute Dom-Römer-Areal mit seinen 15 rekonstruierten Häusern sowie 20 Neubauten und sprach von einem „Quartier, das durch architektonische Harmonie und Aufenthaltsqualität besticht“.

Derweil strömte das „gemeine Volk“ schon fotografierend durch die engen Gassen und bewunderte die Renaissance der mittelalterlichen Handwerkskunst, die sich in den farbigen, aufwendig gestalteten Häusern manifestiert. Nicht nur Touristen aus aller Herren Ländern, sondern auch die Bürger aus dem Rhein-Main-Gebiet schlendern seit Wochen, seit am 9. Mai die Bauzäune fielen, durch das neue Viertel. Sie alle fühlen sich wie von einem Magneten von dem neuen, geschichts-trächtigen Stadtteil angezogen, der wie hingepflanzt wirkt zwischen dem Rathaus Römer, dem Kaiserdom, der Kunsthalle Schirn und der Braubachstraße.

Kosten von 210 Millionen Euro

Dabei ist der etwa 210 Millionen Euro teure, gelungene Wiederaufbau der im März 1944 völlig zerbombten Altstadt noch gar nicht abgeschlossen. Erst wenige Geschäfte und Restaurants sind eingerichtet. Und kaum eine der etwa 80 Wohnungen ist bezogen. Doch das hindert die Stadt nicht, bereits jetzt mit einem anspruchsvollen Programm offiziell die Einweihung festlich zu begehen.

Keine Frage, die sich über rund 7000 Quadratmeter erstreckende neue Altstadt ist das neue touristische Highlight der Bankenstadt, die auch sonst nicht arm an Sehenswürdigkeiten ist. Doch ehe der älteste Kern der Stadt im Sinne des Wortes wieder „aus Ruinen auferstehen“ konnte, mussten viele Barrieren sowohl in den Köpfen als auch real beseitigt werden. Denn Zustimmung und Widerstände gab es nicht nur in der Bürgerschaft und in der Politik, sondern auch unter Architekten.

Es war ein Viererbündnis aus CDU, SPD, FDP und Grünen, das 2005 einen städtebaulichen Wettbewerb für das Areal ausgelobt hatte. Man verständigte sich allgemein darauf, den historischen Grundriss mit seinen Gassen, Höfen und Plätzen wiederherzustellen sowie einzelne, städtebaulich außergewöhnliche Häuser zu rekonstruieren. Am Ende verständigten sich die Römerfraktionen auf 15 zu rekonstruierende ehemalige berühmte Altstadthäuser, darunter die „Goldene Waage“ und „Tante Melber“, in dem einst Goethes Tante gewohnt hatte. Für die 20 Neubauten schrieb Frankfurt einen Architekturwettbewerb aus, für den man 56 Büros auswählte. Um die Abwicklung kümmerte sich die Dom-Römer GmbH, eine von der Stadt gegründete Tochtergesellschaft.

80 moderne Wohnungen

Heute recken sich die 35 zum Teil auf kleinen Parzellen rund um den Hühnermarkt errichteten Häuser bis zu fünf Stockwerke in den Himmel. Entlang des Krönungswegs als Achse und in den Seitengassen finden im Erdgeschoß kleine Geschäfte, Cafés, ein Juwelier, eine Apotheke, eine Metzgerei, ein Barbier, ein Wirtshaus und eine Weinbar sowie zwei Museen Platz. Zudem werden an die 200 Menschen in 80 modernen, zum Teil kleinen Wohnungen darüber leben. Bei Preisen zwischen 5000 und 7250 Euro je Quadratmeter erlöste die Stadt etwa 75 Millionen Euro. Auch Petra Roth hat eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Aufzug und Blick auf den Dom erstanden.

Jedenfalls werden künftig wieder munteres Treiben und Leben rund um den Römerberg und in der neuen Altstadt herrschen. Die Besucher werden tief in die Geschichte der Mainmetropole eintauchen können.

Info: Altstadtfest-Programm unter https://bit.ly/2xJXQMG