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Affären Prüfbericht soll frühestens Ende Januar vorliegen / Einzelheiten zu zwei Flüchtlingsheimen werfen Fragen auf

Frankfurter Awo-Skandal zieht weitere Kreise

Frankfurt.Das Frankfurter Sozialdezernat rechnet nicht vor Ende des Monats mit einem Bericht des Revisionsamtes zur Verwendung städtischer Zuschüsse an die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Frankfurt. Das sagte eine Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU. Der Frankfurter Kreisverband der Awo steht seit Wochen in der Kritik, unter anderem wegen luxuriöser Dienstwagen und ungewöhnlich hoher Gehälter für einige Mitarbeiter.

Unterdessen berichtete der Hessische Rundfunk über neue Details im Zusammenhang mit der Einrichtung von zwei Flüchtlingsheimen für die Stadt Frankfurt im Jahr 2016. Der Anwalt und damals ehrenamtliche Awo-Vorstand, der die entsprechenden Verträge aufgesetzt habe, habe dafür eine Rechnung in Höhe von mehr als 180 000 Euro geltend gemacht. Die Dezernatssprecherin sagte dazu, die Mitarbeiter der Stabstelle für die Unterbringung von Flüchtlingen hätten angesichts der Höhe dieser Rechnung seinerzeit das Rechtsamt eingeschaltet.

Dort herrschte den Angaben zufolge die Auffassung, dass das Honorar an Arbeitsstunden, nicht am Rechtswert der Flüchtlingseinrichtungen bemessen werden müsste. Als angemessene Summe ging das Amt von etwa 2000 Euro aus.

Staatsanwaltschaft eingeschaltet

Die Frankfurter Awo erklärte auf Anfrage, die Rechnung sei Bestandteil der Sonderprüfung durch Wirtschaftsprüfer: „Hierzu erwarten wir in Kürze den Abschlussbericht“, sagte ein Sprecher des Kreisverbands. Bis dahin wolle man sich nicht äußern.

Auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit den Aktivitäten beim Betrieb der Awo-Flüchtlingsheime. Dabei geht es um den Verdacht von Untreue und Betrug.

Derweil kam Birkenfeld am Montag mit dem Bundesvorsitzenden der Awo, Wolfgang Stadler, zu einem Gespräch über die Zukunft der Frankfurter Awo zusammen. Beide hätten sich darauf geeinigt, dass die Strukturen des Kreisverbands erhalten und stabilisiert werden müssten, sagte eine Sprecherin des Dezernats im Anschluss. „Grundlage dafür ist eine umfassende Aufklärung und ein Neuanfang.“

Sorge um Ehrenamt

Zudem gehe es darum, ein Signal an die Bürger, aber auch an die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen zu senden, um diesen ihre Verunsicherung zu nehmen. „Die Stabilisierung der Strukturen kann nur durch umfassende Aufklärung gelingen“, wurden Birkenfeld und Stadler am Abend in einer Mitteilung zitiert. „Wir wollen die Mitglieder ermutigen, sich zu engagieren und mit aller Kraft auf einen Neuanfang hinzuwirken. Besonders wichtig ist uns, dass sie absehbar wieder in vollem Umfang ihrem ehrenamtlichen Engagement in den Stadtteilen nachgehen können.“ lhe