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Infrastruktur Minister Tarek Al-Wazir wirbt für Wohnbauprojekt

Frankfurter Bogen bis nach Zwingenberg

Archivartikel

Wiesbaden.Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) freut sich: „Heute haben wir einen ziemlich großen Schritt zum Frankfurter Bogen gemacht“, sagt er am Donnerstag nach dem ersten Treffen mit Bürgermeistern oder Planungsamtsleitern der 54 dafür vorgesehenen Städte und Gemeinden rund um Frankfurt am Main. Bis zu 200 000 Wohnungen sollen dort nach seinen Vorstellungen gebaut werden. Von Bad Nauheim im Norden bis Zwingenberg in Südhessen, von Wiesbaden im Westen bis Langenselbold im Osten reicht der Radius des Projekts „Großer Frankfurter Bogen“, mit dem Al-Wazir den Wohnungsmangel im Rhein-Main-Gebiet zumindest erheblich eindämmen will.

Dafür hat er alle Kommunen ausgewählt, von denen aus binnen maximal einer halben Stunde der Frankfurter Hauptbahnhof auf der Schiene erreicht werden kann. Dass etwa das 60 Kilometer entfernte Zwingenberg dabei ist, nicht aber das nur 20 Kilometer nahe Rosbach vor der Höhe hat nach seinen Worten den einfachen Grund, dass die Kleinstadt an der Bergstraße eine direkte Bahnverbindung nach Frankfurt hat und die zwischen Wetterau und Taunus nicht. Bauen müssen die Wohnungen aber die Kommunen oder von ihnen gewonnene Bauherren. Das Land tut jedoch alles, um den Städten und Gemeinden das Vorhaben schmackhaft zu machen.

Zuschüsse bis zu 85 Prozent

So bot Al-Wazir den Kommunalvertretern einen ganzen Strauß von Hilfsmaßnahmen an: Zur Ermittlung geeigneter Bauflächen finanziert das Land ihnen im Rahmen der sogenannten Baulandoffensive mit der landeseigenen Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte komplett die dafür notwendigen Machbarkeitsstudien. Beim Bau von Sozialwohnungen übernimmt das Land zudem den kommunalen Eigenanteil von bis zu 10 000 Euro pro Wohnung. Und weil für neue Wohngebiete auch Kindergärten, Bürgerhäuser und Grünflächen erforderlich sind, gibt es auch für derartige Investitionen Landeszuschüsse bis zu 85 Prozent. Einen ebenso hohen Anteil übernimmt das Land Hessen auch für Dialogveranstaltungen mit den Bürgern mit dem Ziel, dass diese die neuen Baugebiete in der Nachbarschaft akzeptieren.

Zahlen, wie viele von den 200 000 erhofften Wohnungen wo und bis wann gebaut werden, kann der seit Januar auch für Wohnungsbau zuständige Grünen-Minister nach ersten Konferenz mit den Kommunen zum Frankfurter Bogen noch nicht nennen. Das Projekt sei aber auf großes Interesse gestoßen, und eine Reihe von Städten und Gemeinden habe auch gleich Kontakt mit der „Baulandoffensive“ aufgenommen, um mögliche Machbarkeitsstudien auf den Weg zu bringen, berichtet Al-Wazir. Es habe viele Fragen und Diskussionen gegeben, „und am Ende war sie Stimmung richtig gut“, sagt er. Auch der anwesende Vertreter aus Zwingenberg habe sich bedankt und Interesse gezeigt.

Innerörtliche Nutzflächen

Nicht so weit weg von Frankfurt liegt die Stadt Maintal, deren parteilose Bürgermeisterin Monika Böttcher schon konkrete Vorhaben melden kann. Um die 1600 Wohneinheiten sollen dort in den nächsten zehn Jahren entstehen, berichtet sie und versichert, dabei werde auch auf ökologische Kriterien und den Erhalt von Natur geachtet. Al-Wazir betont unablässig, dass etwa die Hälfte der angestrebten 200 000 Wohnungen im Frankfurter Bogen auf meist schon versiegelten Flächen innerorts und nicht auf der grünen Wiese entstehen sollen. Als Beispiele nennt er ehemalige Kasernenflächen in Hanau und Darmstadt. Der Bürgermeister von Friedrichsdorf im Taunus, Horst Burghardt (Grüne), ist ebenfalls schon mit von der Partie: Dort sollen eine „Ökosiedlung“ mit 350 Wohneinheiten und weitere Baugebiet mit 250 und 75 Wohnungen entstehen.

Al-Wazir setzt weiter stark auf den Großen Frankfurter Bogen. „Die Rhein-Main-Region boomt“, sagt er. Allein Frankfurt wachse jedes Jahr um 10 000 bis 15 000 Menschen. Die Stadt könne das Wohnungsproblem aber nicht alleine lösen. Und sein Vorschlag habe noch den Vorteil, dass die Baugebiete keinen übermäßigen neuen Autoverkehr erzeugen müssten.