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Landgericht Kammer greift auf Gesetz zu Straßenrennen zurück

Fünf Jahre Jugendstrafe für Autoraser

Archivartikel

Stuttgart.Fünf Sekunden. Nur ein kurzer Moment. So lange dauerte es vom Vollgas im Sportwagen bis zum fatalen Aufprall auf das stehende Auto eines jungen Paares in der Stuttgarter Innenstadt. Im vergangenen März hatte ein heute 21-Jähriger bei mehr als 160 Stundenkilometern die Kontrolle über sein Auto verloren und den Unfall gebaut, der das Paar das Leben kostete. Mord sei das gewesen, meint die Staatsanwaltschaft. Keineswegs, entschied die Kammer des Landgerichts Stuttgart am Freitag in einem aufsehenerregenden Urteil.

Denn die Kammer greift bei ihrer Verurteilung zu fünf Jahren Jugendstrafe auf einen noch vergleichsweise jungen Straftatbestand zurück, der eigentlich vor allem auf illegale Straßenrennen abzielt. Und sie schreibt Rechtsgeschichte. Denn bundesweit ist es nach Gerichtsangaben das erste Urteil dieser Art bei einem vergleichbaren Raser-Unfall mit Todesfolge.

Roter Faden fehlt

Nach dem noch jungen Strafgesetzbuch-Paragrafen aus dem Jahr 2017 muss sich ein Fahrer in einem Rennen nicht mit einem anderen gemessen haben, er kann auch ein sogenanntes Alleinrennen fahren. Ihm muss aber nachgewiesen werden, dass er deutlich zu schnell und rücksichtslos unterwegs war, „um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“, wie es im Paragrafen 315d heißt. Diesen Umstand sah die Kammer erfüllt, schließlich hatte der junge Jaguar-Fahrer kurz vor dem Crash das Gaspedal noch voll durchgedrückt – in der Innenstadt. Sie könne das kurz und knapp auch als „hirnlose Raserei“ bezeichnen, sagte die Vorsitzende Richterin Cornelie Eßlinger-Graf während der 90-minütigen Urteilsbegründung im vollen Gerichtssaal.

Mord? Fahrlässige Tötung? Oder eben doch der noch junge neue Straftatbestand? Bundesweit hat sich die Justiz bereits mehrfach mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob Raser in ihren meist aufgemotzten PS-starken Autos als potenzielle Mörder unterwegs sind und den Tod anderer billigend in Kauf nehmen. Eine rote Linie für eine Mordverurteilung in Raser-Fällen hat auch der Bundesgerichtshof nicht festgelegt. „Maßgeblich sind jeweils die Umstände des Einzelfalls“, urteilte er. lsw