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Hochschule Geplantes Semesterticket ist Parteinachwuchs noch zu teuer / Abstimmung an Universitäten um eine Woche verlängert

Für die Fahrkarte sollen alle zahlen

Archivartikel

Stuttgart.Zum Sommersemester 2019 soll es für alle Studenten in Baden-Württemberg ein Semesterticket geben, mit dem sie von Weinheim im Norden bis nach Lörrach im Süden fahren können. „Zu teuer“ urteilen in seltener Einmütigkeit die Landeschefs der Jungen Union, Philipp Bürkle, und sein Juso-Konkurrent Leon Hahn. Wegen organisatorischer Probleme haben die in der Landes-Asten-Konferenz (LAK) zusammengeschlossenen Studentenvertreter aller Hochschulen eine Umfrage unter den Betroffenen um eine Woche verlängert.

Jahrelang haben die Verkehrsverbünde mit den Studenten um die finanziellen Bedingungen gerungen. Herausgekommen ist ein Konzept, das aus drei Komponenten besteht und mit der landesweiten Fahrberechtigung zum Beispiel für Studenten in Stuttgart 522 Euro kosten würde – allerdings jeweils für sechs Monate. „Völlig überzogen“ kritisiert Hahn. Das sei ein „unzumutbares Angebot für ein Semesterticket“. Der SPD-Nachwuchsmann fordert eine Härtefallregelung für Studenten mit schmalem Geldbeutel und einen Zuschuss des Landes.

Solidaritätsbeitrag von 71,75 Euro

Bürkle, der mit der Jungen Union der Regierungspartei CDU nahesteht, verweist auf das Vorbild Nordrhein-Westfalen. Dort kostet ein vergleichbares Semesterticket nicht einmal die Hälfte. So sind es an der Uni Dortmund knapp 200 Euro, die alle Studenten gleich mit der Einschreibung für jedes Semester überweisen müssen.

In Baden-Württemberg mit 22 Verkehrsverbünden sind die Verhältnisse komplizierter als im dicht besiedelten Ruhrgebiet. Mit dem Asta-Arbeitskreis haben die Nahverkehrsunternehmen einen Solidarbeitrag von 71,75 Euro ausgehandelt, den alle Studierenden zahlen sollen. Für rund zwölf Euro im Monat dürfen sie unter der Woche ab 18 Uhr und am Wochenende Busse und Bahnen in ganz Baden-Württemberg nutzen. In Stufe 2 kommt dazu das örtliche Studierendenticket, das freie Fahrt im lokalen Verkehrsverbund der Hochschulen bietet. Beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar, der bis Würzburg und den Main-Tauber-Kreis reicht, sind das ab kommendem Wintersemester 170 Euro. Für Stufe 3 sind weitere 198,25 Euro fällig. Damit darf man ein Semester lang rund um die Uhr durch Baden-Württemberg fahren.

Die Studierendenvertreter fürchten offenkundig Akzeptanzprobleme. Der zuständige Arbeitskreis hat deshalb für die zweite Aprilhälfte eine Online-Umfrage angesetzt, um die Stimmung zu testen. „Weil es um viel Geld geht, wollen wir die Meinung aller Studierenden hören“, sagt Niklas Anner als Sprecher des Arbeitskreises.

Im letzten Moment hat der Arbeitskreis den Stimmungstest um eine Woche verlängert, weil die Universitäten die Unterlagen zu spät verschickt hätten. Am kommenden Montag sollen jetzt die Ergebnisse vorliegen. Erst auf dieser Basis werden die Asten entscheiden, ob sie überhaupt die von den Verkehrsverbünden verlangte Urabstimmung an allen Hochschulen organisieren, erläutert der Heilbronner Anner.

Inzwischen bereitet auch das Nachbarland Rheinland-Pfalz ein Studententicket vor. Die SPD-geführte Landesregierung hat die Verkehrsbetriebe und die Studentenvertreter an einen Tisch geholt. Das Ergebnis ist eine „Absichtserklärung“ zur Einführung eines landesweiten Semestertickets, damit „Rheinland-Pfalz als Hochschulstandort weiterhin attraktiv und konkurrenzfähig bleibt“. Finanziell beteiligten will sich die Regierung aber nicht. Völlig unklar ist hier, was die Studenten zahlen müssen.