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Ernährung Regierung unterstützt die Verbesserung des Essensangebots mit Steuergeldern

Für frische Kost in Kantinen

Stuttgart.Ob in Betrieb, Verwaltung oder Schule, ob im Krankenhaus oder in einer anderen Betreuungseinrichtung: 140 Mal im Jahr isst jeder Deutsche im Schnitt auswärts, meist in einer Kantine. Selten wird dort allerdings überhaupt noch gekocht und tatsächlich frische Ware verarbeitet. Oft beschränkt sich die Tätigkeit der Küchenmitarbeiter darauf, riesige Pakete vorgefertigter Produkte aufzureißen und in ein paar Minuten irgendwie verzehrfertig zu machen – Convenience Food, so der Fachbegriff, zu deutsch etwa „bequemes Essen“, regiert in deutschen Kantinen.

Landauf, landab bietet sich das gleiche, oft geschmacksidentische Bild. Das soll sich in baden-württembergischen Kantinen nach dem Willen der grün-schwarzen Landesregierung künftig ändern. Mehr saisonale Produkte regionaler Lebensmittelproduzenten, eine höhere Bio-Quote, mehr frische Zubereitung durch besser geschulte Mitarbeiter, insgesamt mehr Qualität auf dem Teller und so weniger Essensabfälle, weniger Verpackungsmüll, weniger Pestizide im Anbau und kürzere Transportwege – das sind die Stichworte, die für die neue Ernährungsstrategie des Landes in den Kantinen stehen.

Eckpunkte beschlossen

Diese ist Teil eines vor kurzem vom Kabinett beschlossenen strategischen Eckpunktepapiers der Landesregierung zur nachhaltigen Ernährungspolitik. Insgesamt 500 000 Euro stehen in den kommenden beiden Jahren zur Verbesserung der Kantinenqualität zur Verfügung. Das Geld kommt hälftig aus dem Etat des in Sachen Ernährungsstrategie federführenden Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministeriums (MLR) und aus dem Grünen-Topf der für die Fraktionen frei verfügbaren Steuermittel. Es soll eingesetzt werden zur Zertifizierung von Kantinen und Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen und zur Qualifizierung der Mitarbeiter.

Neben 40 Landeskantinen – die Bewerbungsphase beginnt im Mai – können sich Rehakliniken, Schul- und Hochschulmensen sowie Seniorenheime und Kliniken darum bemühen. Zugrunde liegen die durchgehend positiven Rückmeldungen aus dem Modellversuch „Große Küche – Gutes Essen“ im Jahr 2016 mit zehn ausgewählten Kantinen aus allen Bereichen. „Die Mitarbeiter waren begeistert, weil sie selbst etwas zubereiten konnten, die Kunden bekamen zusätzlich ein frisches, saisonales Angebot aus regionalen Produkten, und vermutlich war es auch gesünder und kaum teurer“, sagt Martin Grath. Der Heidenheimer Grünen-Landtagsabgeordnete und Biobäcker, Sprecher seiner Fraktion für Verbraucherschutz und Handwerkspolitik, brennt für dieses Projekt. Grath, der selbst noch samstags auf dem Heidenheimer Wochenmarkt backt und verkauft, setzt auf die Unterstützung regionaler Anbieter aus dem Lebensmittelhandwerk wie Bäcker und Metzger oder Landwirte.

Regionale Überlebensstrategie

Qualität spiele für die Menschen eine immer größere Rolle, glaubt Grath, und viele seien bereit, für bessere Qualität mehr zu bezahlen. „Wenn Kantinen den Einsatz von Bio- und regionalen Lebensmitteln deutlich erhöhen und auch damit werben, entsteht eine Vertrauenskurve, die letztlich eine Überlebensstrategie für alle regionalen Versorger ist“, so Grath.

Die teilnehmenden Kantinen werden dabei unterstützt, die regionalen Händlernetze ausfindig zu machen und größere Mengen günstig einkaufen zu können, was speziell für kleinere Einrichtungen oft ein Problem ist. Dass es in Baden-Württemberg Handlungsbedarf gibt, stellte auch das MLR fest. Eine nach einer Grünen-Anfrage erstellte Erhebung des Ministeriums zur Verpflegungssituation in den Kantinen, Mensen und Küchen des Landes vom Juni 2017 ergab, dass 91 Prozent der abgefragten Einrichtungen keine Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) vorweisen können. „Wir wollen hier etwas ins Rollen bringen“, sagt Grath.