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Pandemie Streit in Frankfurt über Sperrstunde ab 23 Uhr / Einige Städte stellen spezielle Pavillons auf und erlauben mehr Außenbewirtung

Gastwirte blicken besorgt auf den Winter

Archivartikel

Frankfurt.Holzgetäfelte Wände, Gemälde mit Szenen aus der Apfelweinkelterei, mit Hirschgeweihen verzierte Lampen – die Gaststube der Frankfurter Traditionswirtschaft „Zum Gemalten Haus“ verspricht Gemütlichkeit. Doch auch die Corona-Krise prägt das Bild. Auf jedem zweiten Tisch bittet ein kleines Schild die Gäste, sich wegen der Abstandsregeln nicht hinzusetzen. „Die Lage ist schwierig“, sagt Inhaberin Iris Vec. Die Stammgäste kämen weiter, es fehlten aber Touristen und Messegäste. Das „Gemalte“ im Stadtteil Sachsenhausen ist eine der ältesten Apfelweinwirtschaften in Frankfurt. Es habe schon sehr schwere Zeiten überstanden, sagt die 52-Jährige.

Bis zu 30 Prozent Einbußen

Das Bedürfnis der Menschen auszugehen, sei nach wie vor da. Vec hat investiert in Filter, die mittels UV-Licht die Luft reinigen. Der Außenbereich ist nun teilweise mit Wärmelampen ausgestattet. Die staatlichen Maßnahmen hätten geholfen, vor allem die Senkung der Mehrwertsteuer, sagt die Wirtin. Dies sollte verlängert werden. Nun gehe es darum, im Herbst und Winter die Verluste so gering wie möglich zu halten, um den Umsatz dann kommendes Jahr wieder steigern zu können. Zuletzt schrumpfte er um etwa ein Drittel.

Eine Situation, in der Betriebe in ganz Hessen stecken. Der Sommer sei für die Gaststätten, die draußen Plätze anbieten konnten, auf dem Land wie in der Stadt relativ stabil verlaufen. 20 bis 30 Prozent Minus beim Umsatz seien es aber im Vorjahresvergleich mindestens gewesen, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Hessen, Julius Wagner. Die Lage sei sehr angespannt. Die Gastronomen überlegten, wie sie durch Herbst und Winter kommen könnten. In den großen hessischen Städten seien Vereinbarungen getroffen worden, um Außenplätze weiter anbieten zu können – auch mit Windschutz und Heizmöglichkeiten. „Uns ist sehr bewusst, dass Gaststätten und Kneipen ganz besonders von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen sind“, erklärte etwa der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle. Die Kurstadt Bad Nauheim kündigte sogar an, Pavillons mit Infrarot-Heiztechnik für die Gaststätten anzuschaffen. Dies zeige, dass sich auch die Politiker Sorgen machten und versuchten, ihre Städte zu beleben, sagte Wagner. Es gebe bereits Gaststätten mit gut besuchten Innenräumen. Dies sei die positive Resonanz, wenn sich Gastronomen an die Verordnungen hielten und für Abstand und Desinfizierung sorgten.

Klagen gegen die Stadt

Dass die Nerven mancherorts blankliegen, zeigt der Streit über die Sperrstunde in Frankfurt, die zum Wochenende eingeführt wird. Ab 22 Uhr sollten Restaurants, Kneipen und Bars schließen, hatte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) angesichts steigender Infektionszahlen verkündet – und erntete einen Sturm der Entrüstung aus der Branche. Tags darauf milderte die Stadt die Regel ab und erklärte, ab 23 Uhr müsse Schluss sein. Die Initiative Gastronomie Frankfurt will dennoch mehrere Klagen auf den Weg bringen. „Wir sehen nicht ein, dass wir der Sündenbock sein sollen“, sagt der Vorsitzende Madjid Djamegari. Sie wollen höchstens eine Sperrstunde ab Mitternacht akzeptieren. Die Stadt solle stattdessen gegen illegale Partys vorgehen, die das Problem seien. „Die Menschen lassen sich das Feiern nicht verbieten“, sagt Djamegari. Gebe es eine Sperrstunde, machten sie privat weiter. Djamegari leitet einen bekannten Club, das „Gibson“ an der Zeil, das seit Mitte März geschlossen ist. Derzeit liefen Gespräche, um eine Wiedereröffnung zu ermöglichen. Dazu werde der Club umgebaut, die Kapazität auf rund ein Drittel reduziert. Gewinne könne er so nicht machen, sagt Djamegari. „Es geht darum, eine Perspektive zu haben.“ lhe