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Extremismus Kasseler Regierungspräsident will Saal umbenennen / Sonderbriefmarke für CDU-Politiker geplant

Gedenken an getöteten Lübcke im kleinen Kreis

Kassel.Mit mehreren Projekten und ohne reguläre Gedenkfeier will das Kasseler Regierungspräsidium an seinen ermordeten Behördenleiter Walter Lübcke erinnern. Denn die Corona-Pandemie erschwert weiterhin Versammlungen.

Geplant seien unter anderem die Benennung eines Saals nach dem CDU-Politiker, eine Briefmarke und ein Kunstwerk, sagte Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (CDU) am Mittwoch: „Sie sollen an das Verbrechen erinnern, sie sollen an den Regierungspräsidenten Walter Lübcke erinnern, und sie sollen dazu ermutigen, seine Haltung zu teilen, unsere freiheitliche und offene Gesellschaft zu schützen und zu verteidigen.“

Walter Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni des vergangenen Jahres auf der Terrasse seines Wohnhauses im Kreis Kassel mit einem Kopfschuss getötet worden. Im April hat die Bundesanwaltschaft gegen den mutmaßlichen Mörder, Stephan E., Anklage erhoben. Auslöser der Tat sollen Äußerungen Lübckes zur Aufnahme von Flüchtlingen gewesen sein, für deren Aufnahme er sich aus humanitären Gesichtspunkten ausgesprochen hatte. Die Ermittler gehen daher von einer rechtsextremistischen Motivation des Verdächtigen aus.

Pandemie überschattet Andacht

Wegen der Corona-Pandemie wird es an Lübckes Todestag keine öffentliches Gedenken durch Mitarbeiter des Regierungspräsidiums geben. Eine Andacht in der Kasseler Martinskirche werde im kleinen Kreis gestaltet und vorab aufgezeichnet, nur RP-Mitarbeiter könnten digital daran teilnehmen.

Öffentlich im Netz abrufbar sein wird an dem Tag aber eine bereits aufgezeichnete Diskussionsrunde „Haltung zeigen“ mit Personen aus Politik, Forschung, Kirche und Öffentlichkeit, bei der auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mitwirkte. Eine Art Gedenkenfeier ist erst für den Geburtstag des Getöteten geplant (22. August).

Kunstwerk vorgesehen

Dann soll auch ein Saal im Kasseler RP-Gebäude nach Lübcke benannt werden. Ein von einem afghanischen Künstler geschaffenes Relief werde dort an ihn erinnern. Ebenfalls zu Lübckes Geburtstag sei auch eine Briefmarke der Deutschen Post mit Sonderblatt vorgesehen.

Zudem soll ein Wettbewerb für ein Kunstwerk ausgeschrieben werden. Ziel sei nicht die Person Lübckes als Denkmal zu fassen, erklärte Klüber. Sondern es gehe um die zivilgesellschaftliche Fragestellung, was seine Ermordung für das Land bedeute. lhe