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Prozess Ulmer Häftling soll Mann mit Gabel gequält haben

Gefangener vor Gericht

Ulm.Als er dem Gericht seine Leiden schilderte, war er den Tränen nahe. Der 61-jährige Häftling – Hauptopfer eines 19-jährigen Mitgefangenen – hatte Folter und Quälereien in der Ulmer Justizvollzugsanstalt (JVA) erlebt. Der 19-Jährige steht nun vor dem Ulmer Landgericht. Laut Anklage zwang er den Mann, sich zu entkleiden, steckte ihm den Griff einer Gabel in den After und trat sie ihm in den Leib. Der 61-Jährige bekam letztlich einen künstlichen Darm-ausgang. In der kommenden Woche soll das Urteil gefällt werden.

Nur heftige Fälle werden erfasst

„Gewalt hinter Gittern ist Alltag“, sagt René Müller, Vorsitzender des Bundes der Strafvollzugsbeamten. „Sie hat zugenommen – nicht nur die Häufigkeit, auch die Intensität. In Nordrhein-Westfalen wurde einem Kollegen ein Stück aus einer Fensterscheibe zwischen die Rippen gestoßen. Ein anderer wurde mit heißem Wasser verbrüht.“ Es gehöre jedoch zu den Aufgaben der Vollzugsbeamten, Gewalt zwischen Häftlingen zu unterbinden. Erfasst wird diese Gewalt meist nur, „wenn die Folgen erheblich sind“, heißt es im baden-württembergischen Justizministerium. In den 17 Gefängnissen im Südwesten gab es 2017 einen Anstieg von 75 auf 87 Fälle. Jedoch könnte die Bilanz 2018 besser ausfallen – in den ersten sechs Monaten wurden „nur“ 32 Taten registriert.

Der 61-Jährige soll seine Folter aus Angst vor dem Angreifer zunächst stillschweigend ertragen haben. In der JVA sei man erst aufmerksam geworden, als die Wunden nicht mehr zu übersehen waren. lsw