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Ausgrabung Mainz schreibt Stadtgeschichte neu

Geheimnis um Bischof ist gelüftet

Archivartikel

Mainz.1000 Jahre ruhte ein Sarkophag unberührt im Boden der Mainzer Johanniskirche, bis er bei Grabungen entdeckt und geöffnet wurde. Fünf Monate später steht fest, dass in der steinernen Grabstätte ein Erzbischof bestattet wurde. „Er ist es“, sagte Forschungsleiter Guido Faccani am Donnerstag in Mainz. Bei dem Toten handelt es sich „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ um Erzbischof Er-kanbald, der 1021 starb. Die Untersuchung von Textilresten, die bei der Öffnung des Sarkophags gefunden wurden, lasse keinen anderen Schluss zu, erklärte Faccani.

Dome einen Steinwurf entfernt

Damit ist auch erwiesen, dass die heute evangelische Johanniskirche die erste Kathedrale der Bischofsstadt war, vor dem später erbauten heutigen Dom, der seit 1036 Bischofssitz ist. Damit müssen Teile der Mainzer Stadtgeschichte neugeschrieben werden. „Zwei Dome einen Steinwurf voneinander entfernt – das soll den Mainzern erst mal jemand nachmachen“, sagte der evangelische Dekan Andreas Klodt. Faccani sprach von einem „Indizienprozess, wo kleine Mosaiksteine das Ganze bilden“. Entscheidend für die Identifizierung des Toten waren im Grab gefundenen Textilreste.

Restauratorin Anja Bauer fand heraus, dass der Tote eine Kasel, eine Art Umhang aus Seide, trug, die mit einer Goldborte am Nacken abgeschlossen war. Zudem kam sie zu dem Schluss, dass auf der Kasel ein Wollstoff lag, bei dem es sich um ein Pallium handelt, um das vom Papst direkt verliehene Ehrenzeichen eines Erzbischofs. lrs