Länder

Verkehrswende In Mainz wird ein kommunal betriebenes Mietsystem stark genutzt / Andere Kommunen halten sich zurück

Gelbe Fahrräder erobern die Stadt

Mainz.Drahtesel statt Otto-Motor: Trotz der breiten Debatte über eine Verkehrswende und Schadstoffe in der Luft sind Fahrrad-Mietsysteme in rheinland-pfälzischen Städten längst noch nicht gang und gäbe. Erfolgreich sei die Landeshauptstadt Mainz, befindet der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) im Land. Nach Angaben der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) wurden über das kommunal betriebene System namens „MVGmeinRad“ im vergangenen Jahr über 400 000 Mal die bereitgestellten gelben Räder genutzt. Bereits seit 2012 gibt es das Angebot.

Der Anteil der Radfahrer am innerstädtischen Verkehr liegt in Mainz nach Angaben des ADFC bei rund 20 Prozent – das sei ein Spitzenwert in Rheinland-Pfalz. MVG-Sprecher Michael Theurer sagte, verglichen mit seiner Größe habe Mainz „sicherlich eines der erfolgreichsten Rad-Mietsysteme in Deutschland“.

Ganz anders das Bild rheinabwärts in Koblenz. Hier sind der Stadtverwaltung keine Mietsysteme für Fahrräder bekannt, wie es auf Anfrage hieß. An der Mosel in Trier wurde dem Thema nach Stadtangaben mal eine Machbarkeitsstudie gewidmet. 2014 entschied die Stadt schließlich, dass ein solches Projekt aufgrund der hohen Kosten nicht weiter verfolgt wird.

Trotz der vielen Nutzer zeigt aber auch das Beispiel Mainz, dass ein System mit Leihstationen wie beim „MVGmeinRad“ durchaus kostspielig ist. Für eine Leihstation werden laut MVG-Sprecher Theurer je nach Größe 15 000 bis 20 000 Euro fällig. Über 800 Räder gehören zum aktuellen Fuhrpark in Mainz, 500 davon wurden im vergangenen Jahr durch Neuanschaffungen ersetzt. Knapp 120 Stationen gibt es mittlerweile im Stadtgebiet und darüber hinaus, etwa im laut ADFC besonders fahrradfreundlichen Ingelheim im Kreis Mainz-Bingen.

Im rheinland-pfälzischen Süden hat sich derweil mit Nextbike ein Privatunternehmen etabliert. Das Rad-Angebot ist hier an den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) angegliedert. Im Gebiet des VRN können städteübergreifend in insgesamt 17 Orten Räder ausgeliehen und an anderer Stelle wieder zurückgegeben werden – insgesamt stehen laut Nextbike in der VRN-Region, die Teile von Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg umfasst, 1100 Drahtesel an 230 Stationen zur Verfügung.

Auf das Auto verzichten

In allen Städten sind die Räder erwartungsgemäß vor allem während der warmen Jahreszeit beliebt. In Mainz schwanken die Nutzungszahlen nach MVG-Angaben je nach Witterung zwischen 16 000 und 60 000 Fahrten pro Monat. Das System helfe, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen, sagte MVG-Sprecher Theurer. Viele Studenten seien „dem Fahrrad gegenüber sehr aufgeschlossen“.

Ob sich solche Systeme lohnen, sei nicht zuletzt von der Infrastruktur und vom politischen Willen abhängig, meint die Geschäftsführerin des ADFC im Land, Sara Tsudome. Das Mietsystem unterstütze in jedem Fall dabei, „auch mal auf das Auto zu verzichten“. lrs