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Stadtteil Frankfurt feiert sein Bahnhofsviertel / Bekannt für Gastronomie sowie die Rotlicht- und Drogenszene

Geliebt und gefürchtet zugleich

Archivartikel

Frankfurt.In großen, roten Leuchtbuchstaben steht das Wort „Freundschaft“ an der Wand, einmal auf Hebräisch und einmal auf Arabisch. Damit passt die israelische „Bar Shuka“ sehr gut ins Frankfurter Bahnhofsviertel, den vielfältigsten Stadtteil der Mainmetropole. „Hier ist Jeder willkommen, wir wollen die Menschen zusammenbringen“, sagt Betreiber David Ardinast. Gemeinsam mit seinem Bruder betreibt er noch ein weiteres Restaurant und eine Bar in dem Quartier und freut sich, dass die Straßen rund um den Hauptbahnhof unter Partygängern und Szenegästen immer beliebter werden.

Angelockt werden sie unter anderem vom bunten Angebot an Speisen aus allen Teilen der Welt: Es gibt asiatische, indische und türkische Köstlichkeiten ebenso wie georgische, japanische, pakistanische oder afrikanische. Und Israelische: Die Betreiber der Ende vergangenen Jahres eröffneten „Bar Shuka“ wollen ihren Gästen die moderne Küche aus der Metropole Tel Aviv näher bringen.

Im Bahnhofsviertel gebe es immer mehr Büros und auch Wohnungen, das Viertel und die Gäste hätten sich verjüngt, sagt Ardinast. Zu jeder Tages- und Nachtzeit sei auf den Straßen zwischen Bankentürmen und dem Main etwas los. Doch er kennt auch die Probleme des Stadtteils. Drogenabhängige seien sichtbarer als noch vor einigen Jahren. Früher hätten sie sich in dunklen Ecken verborgen. Die Szene gehöre eben zum Viertel dazu. „Hier trifft alles aufeinander, Banker auf Junkie, Hipster auf Familie.“ Unsicher fühle er sich deshalb nicht.

„Ein rechtsfreier Raum“

Eine andere Sicht hat Ulrich Mattner. Sowohl beim Thema Sicherheit als auch Sauberkeit äußert der Fotograf und Buchautor, der im Viertel wohnt und seit Jahren auch Stadtteiltouren anbietet, herbe Kritik. Ab 23 Uhr sei es vor allem für Frauen nicht mehr sicher. Er kenne eine Anwohnerin, die sich nur noch in alter Kleidung auf die Straße traue. Stellenweise seien die Straßen „übervölkert mit der Drogenszene“. Polizeistreifen dagegen seien nicht zu sehen. „Es ist wirklich ein rechtsfreier Raum hier“, sagt Mattner. Dies bestreitet Frankfurts Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU). Er verweist unter anderem auf die Arbeit der eigens eingerichteten „Regionalen Einsatz- und Ermittlungseinheit“ der Polizei, die gegen Drogen- und Straßenkriminalität im Bahnhofsviertel schon viel erreicht habe.

Allen Problemen zum Trotz: Am kommenden Donnerstag (15. August) verwandelt sich das Quartier bei der Bahnhofsviertelnacht wieder in eine Partymeile. Zu der zwölften Auflage des riesigen Straßenfests werden je nach Wetter um die 50 000 Menschen erwartet. Neben einem Bühnenprogramm mit Sängern der Frankfurter Oper und einem multireligiösen Friedensgebet gibt es an die 50 Anlaufpunkte. Kneipen, Kioske und Bars haben geöffnet. lhe