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Mordfall Susanna Besondere Schwere der Schuld von Ali B. festgestellt / Urteil in zweitem Vergewaltigungsprozess steht noch aus

Gericht verhängt Höchststrafe

Wiesbaden.Der Prozess um den Mord an der 14-jährigen Susanna endet, wie er vor knapp vier Monaten begonnen hat: Ali B. verfolgt die Urteilsverkündung ohne erkennbare Regung. Die Mutter weint erneut, weil auch das Strafmaß „mir meine Tochter nicht zurückbringt“.

Das Landgericht Wiesbaden hat gegen den heute 22-jährigen Flüchtling aus dem Irak die Höchststrafe verhängt. Es verurteilt ihn zu lebenslanger Haft, stellt eine „besondere Schwere der Schuld“ fest, so dass er nicht schon nach 15 Jahren freigelassen wird, und behält eine Sicherungsverwahrung nach Verbüßung der Haft vor. Dann wird geprüft, wie groß die Gefahr ist, dass Ali B. weitere schwere Straftaten begeht.

Mit dem Urteil folgt die Kammer von Richter Jürgen Bonk dem Antrag der Staatsanwältin Sabine Kolb-Schlotter. Die Verteidiger, die auf die Benennung eines konkreten Strafmaßes verzichtet hatten, wollen erst einmal Revision einlegen, um die Frist einzuhalten. Nach der Prüfung der schriftlichen Begründung wollen sie entscheiden, ob sie das Urteil anfechten. Ali B. hatte erklärt, jedes Urteil anzunehmen.

Mord gestanden

Am ersten Prozesstag hatte er gestanden, Susanna in der Nacht zum 23. Mai vergangenen Jahres in einem Waldstück in Wiesbaden getötet zu haben. Die Vergewaltigung bestritt er und sprach von einvernehmlichem Sex. Diese Version hält das Gericht für widerlegt. Noch in der Tatnacht schrieb Susanna einer Freundin von Angst vor dem Angeklagten, dem sie nicht mehr entkommen könne.

Das Urteil geht von Verdeckung einer Straftat sowie Heimtücke als Mordmerkmal aus. Dass Susanna beim Geschlechtsverkehr offenbar keine Gegenwehr leistete, liege daran, dass ihr Widerstand aussichtslos erschien. Dass sie ihm nach der Vergewaltigung sagte, sie werde zur Polizei gehen, zeige die Arglosigkeit der Schülerin, und das sei zusammen mit der Wehrlosigkeit der Tatbestand der Heimtücke.

Ali B. wurde wegen Vergewaltigung und Mord, aber auch wegen schweren Raubs, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung beim Überfall auf einen Mann im Wiesbadener Kurpark verurteilt. Zudem muss er je 50 000 Euro plus Zinsen als Art Hinterbliebenengeld an Susannas Mutter und ihre fünfjährige Schwester zahlen. Das Urteil in einem weiteren Verfahren, in dem er sich zusammen mit einem Mitangeklagten wegen Vergewaltigung einer Elfjährigen verantworten muss, steht noch aus. kn