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Baden-Württemberg-Pavillon Breite finanzielle Unterstützung für Expo in Dubai/ Kosten auf 13,3 Millionen Euro geschätzt

Geschäftsführer entlassen

Stuttgart.Die Querelen um den Baden-Württemberg-Pavillon auf der Weltausstellung in Dubai haben ein personelles Opfer gefordert. Die Ingenieurkammer hat ihren Hauptgeschäftsführer Daniel Sander mit sofortiger Wirkung freigestellt. Gleichzeitig endet damit sein Engagement als Geschäftsführer der Projektgesellschaft für die Expo 2020/21. Kürzlich hatte die grün-schwarze Landesregierung drei Millionen Euro zugesagt, um eine Finanzierungslücke zu schließen. Die eigentlich für Anfang Oktober geplante Grundsteinlegung für den auf 13,3 Millionen Euro kalkulierten Bau ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

Über die Gründe für die Trennung mit sofortiger Wirkung machten weder Sander noch die Ingenieurkammer Angaben. „Eine weitere Zusammenarbeit ist nicht mehr möglich“, erklärte Kammersprecher Pablo Dahl lediglich. Einvernehmlich ist die Trennung offenkundig nicht. Dass die Zerrüttung mit dem Expo-Engagement der Kammer zusammenhängt, steht außer Frage.

Unsichere Finanzierung

Neben der Ingenieurkammer stehen die Stuttgarter Fraunhofer-Gesellschaft und die Freiburger Messe hinter dem Projekt. Die Probleme wurden im September öffentlich, als die Verantwortlichen beim Land wegen einer Bürgschaft vorstellig wurden. Sander hatte damals intern behauptet, Unternehmen hätten 7,7 Millionen Euro Sponsorengelder zugesagt. Vertraglich fixiert war aber nach Angaben aus Kreisen der grün-schwarzen Koalition damals nur eine Million. In einer Krisensitzung sagten Grüne und CDU dann eine „Fehlbetragsförderung“ von maximal drei Millionen Euro zu. Nach der Vereinbarung, die unserer Redaktion vorliegt, wäre das Wirtschaftsministerium zuständig, wenn mehr Geld erforderlich wird. Bereits vorher hatte die Regierung 2,8 Millionen Euro für die Finanzierung des Ausstellungsprogramms übernommen.

Der neue starke Mann der Expo-Gesellschaft wurde auf Druck der Politik schon im September Wilhelm Bauer, der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation. Bauer wurde Sprecher der Projektgesellschaft und für die Sponsorensuche zuständig. „Wir sind überzeugt, dass die Realisierung des Pavillons stattfinden wird“, sagte er auf Anfrage. Inzwischen seien Verträge mit einer Reihe von Unternehmen abgeschlossen und auch der erste Anker-Sponsor gefunden. Bauer: „Es ist eine einmalige Chance für Baden-Württemberg und seine Unternehmen, sich neben 190 Nationen als einzige Region präsentieren zu dürfen.“

Im Landtag gibt es breite Unterstützung für das Projekt auch aus der Opposition. „Wir müssen in dieser Boomregion Flagge zeigen“, sagte SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Auch der FDP-Abgeordnete Erik Schweickert signalisierte Unterstützung. Für CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart ist der Landespavillon „ein Alleinstellungsmerkmal und eine Chance, Baden-Württemberg als Innovationsregion Nummer eins in Europa zu positionieren“. Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz betont: „Es war nie strittig, dass sich alle Ressorts der Landesregierung beteiligen.“

Die Lücke, die Sander in der Geschäftsführung der Projektgesellschaft hinterlassen hat, wurde bereits geschlossen. Künftig soll nach Bauers Angaben Andreas Strowitzki von der Freiburger Messe alleiniger Geschäftsführer sein. Die Ingenieurkammer wird ihr Vorstandsmitglied Andreas Hutarew als Prokurist in die Geschäftsleitung entsenden. Bauer meint dazu: „Wir haben unser Team verstärkt, was das Tempo und die Effizienz in der Umsetzung des Projekts enorm fördert.“

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