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Europaparlament Stuttgarter Michael Bloss, Klima- und Umweltschutzaktivist, ist der jüngste Südwest-Abgeordnete in Brüssel

Gesicht einer neuen Generation

Archivartikel

Stuttgart.Michael Bloss, 32 Jahre alt, Grünen-Politiker und Klimaexperte, kommt zum Treffen im Schatten der Palmwedel im Café Planie direkt von einer Stuttgarter Schule. ,,Zwei Stunden zehnte Klasse Gymnasium, die haben nur Fragen zum Klima gestellt und waren gut vorbereitet“, sagt er. Bloss, groß gewachsen, Dreitagebart, blondes Strubbelhaar, offenes Hemd und Jeans, tritt sympathisch und bescheiden auf. Der Stuttgarter ist einer der jungen Köpfe in der Politik, auf den nicht nur die Schüler, die freitags für den Klimaschutz auf die Straßen gehen, ihre Hoffnungen setzen.

Der Kampf für den Klimaschutz und den Erhalt des Ökosystems Erde ist das Thema seines bisherigen Lebens – und jetzt ist er damit im Auge des Sturms. Schon als Schüler aktiv gegen Kernkraft und Umweltzerstörung, mit 16 Jahren wegen der Regenwald-Abholzung zum Vegetarier geworden, war Bloss später bei Greenpeace-Aktionen mittendrin. Es folgte ein internationales Masterstudium, eine Beraterstelle bei den Vereinten Nationen. Er war Sprecher der Europäischen Grünen Jugend, Referent bei Ska Keller, der Grünen-Vorsitzenden im EU-Parlament.

,,Mir war immer klar: Ich will etwas verändern. Europa als Schnittstelle ist ein guter Platz dafür“, sagt er. ,,Im Büro von Ska Keller habe ich viel Erfahrung gesammelt, war immer selbstständig in der Klimabewegung aktiv, aber ich konnte nie selbst Politik machen. Dann wollte ich das probieren.“ Es klappte.

Zwei Wochen im Parlament

Seit zwei Wochen ist Michael Bloss selbst Mitglied des Europäischen Parlaments, der jüngste von insgesamt zwölf EU-Abgeordneten aus Baden-Württemberg, einer von drei Grünen aus dem Land. ,,Die konstituierende Sitzung, als ein Streichquartett die Europahymne spielte, das war ein richtiger Gänsehautmoment“, berichtet Bloss. „In diesem Moment, als die Abgeordneten aus allen EU-Nationen zusammenkamen, mein Team war da, mein Zwillingsbruder und meine Schwester, da hatte ich das Gefühl: Wir sind Europa.“ Seine erste Rede hat Michael Bloss schon hinter sich, es ging um die Feinstaub-Belastung in Stuttgart und was man hier dagegen tut.

Bloss ist im Energie-, Industrie- und Forschungsausschuss und dem Umweltausschuss untergekommen – beides zentral für den Klimaschutz. Als EU-Abgeordneter in zwei der für die Wirtschaft wichtigsten Ausschüsse ist er über Nacht zu einem begehrten Gesprächspartner für Interessensvertreter geworden. ,,Es ist unglaublich, wie viele Lobbyisten in Kontakt kommen wollen, das hätte ich nicht so erwartet“, sagt Bloss.

Machtlosigkeit und Ohnmacht als kleines Rädchen in einer kleinen grünen Fraktion im Parlament empfindet er nicht. Im Gegenteil: ,,Ich spüre eine starke Verantwortung, vor allem auch als junger Mensch mit Klima-Schwerpunkt“, sagt Bloss. ,,Solange es die Bewegung auf der Straße gibt, können wir im Parlament vieles erreichen.“ Das hat er auch den Stuttgarter Schülern erklärt. Und die haben jetzt noch mehr Argumente dafür, auf die Straße zu gehen.

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