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Bildungspolitik GEW-Vorsitzende Doro Moritz mit Breitseite gegen CDU-Ministerin / Viele Stellen in den Grundschulen eine Woche vor Beginn des neuen Schuljahres noch unbesetzt

Gewerkschaft beklagt Lehrermangel und attackiert Eisenmann

Stuttgart.Mit einer politischen Breitseite gegen die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat die Landeschefin der Lehrergewerkschaft GEW, Doro Moritz, das neue Schuljahr eingeläutet. „Ich möchte keine Ministerpräsidentin Eisenmann“, ging sie auf Distanz zur CDU-Spitzenkandidatin 2021.

Die Politik der CDU-Ministerin sei „auf Außenwirkung und die sehr konservative Wählerschaft ausgerichtet“, kritisierte Moritz. Sie sehe bei Eisenmann keine Maßnahmen, die auf Qualitätsverbesserung angelegt seien. Moritz: „Probleme gelöst hat sie nicht.“ Bei näherer Betrachtung zerplatze die Hoffnung auf Verbesserungen wie eine Seifenblase.

„Nichts als Flickschusterei“

Eine Woche vor dem Ferienende zeichnete Moritz ein düsteres Bild von der Lage in den Schulen: „Bei Unterrichtsversorgung und Lehrermangel ist nichts als Flickschusterei zu erkennen.“ Allein in den Grundschulen seien von 1530 offenen Stellen knapp 600 noch nicht besetzt, bei den beruflichen Schulen würden aktuell für 200 von 1100 Stellen Bewerber gesucht. Dabei seien in der Not bereits Fahrlehrer, Schreiner und eine Metzgereiverkäuferin als Seiteneinsteiger eingestellt worden. In den Sonderschulen setze sich der Abwärtstrend fort. Die Bildungspolitik sei „angesichts der sich verschlechternden Leistungsergebnisse und der Situation in höchstem Maße verantwortungslos“.

Die Parteinahme der parteilosen Gewerkschafterin im Vorfeld der Landtagswahl 2021 ließ Eisenmann unkommentiert. Sie nehme die Kritik zur Kenntnis, erklärte die CDU-Ministerin. Bei der GEW vermisse sie substanzielle, konstruktive Vorschläge: „Pauschale Vorwürfe und Ratschläge, die an der Realität vorbeigehen, bringen unser Land leider nicht weiter.“ An diesem Donnerstag will Eisenmann einen Überblick zum kommenden Schuljahr geben.

Eine lange Mängelliste präsentierten Vertreter der Opposition. „Es braucht starke Schulleitungen, mehr Ganztagsschulen und mehr Geld für die digitale Infrastruktur“, erklärte der SPD-Abgeordnete Daniel Born. Sein FDP-Kollege Timm Kern verwies auf die hohen Sitzenbleiberquoten in Realschulen und Gymnasien und den ungelösten Streit um das Abitur nach acht Jahren. Der AfD-Abgeordnete Rainer Balzer warf Moritz vor, sie habe mit ihrem Votum gegen Eisenmann als Ministerpräsidentin den für Gewerkschafter geltenden Grundsatz der Überparteilichkeit verletzt.

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