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Corona-Krise Kommunen organisieren Entlastung für Mitarbeiter in unverzichtbaren Berufen / Anspruch der Eltern reicht vom Hort bis zur sechsten Klasse

Gewerkschaften loben Kinder-Notbetreuung

Archivartikel

Stuttgart.„Bislang läuft das nach unseren Rückmeldungen sehr gut“, lobt Hans-Jürgen Kirstein die im Eilverfahren eingerichtete Notbetreuung für Kinder von Polizisten und Beschäftigen in anderen unverzichtbaren Berufen. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft in Baden-Württemberg hat in der ersten Woche seit Schließung der Schulen und Kitas zur Eindämmung der Corona-Pandemie keine Klagen gehört: „Defizite sind uns nicht bekannt.“

Städte und Gemeinden müssen die Notfallbetreuung organisieren. „Es gilt die Leitlinie, dass die Kinder in den Einrichtungen betreut werden, die sie normal auch besuchen“, sagt eine Sprecherin des Kultusministeriums. Hortkinder also in der Kita und Schüler von Klasse eins bis sechs in ihrer jeweiligen Schule. „Uns sind keine Probleme bekannt“, fasst sie die Lage eine Woche nach der Schließung aller Schulen und Kindergärten zusammen.

„Am Anfang war das ein heftiger Schlag“, blickt die Sprecherin des Städtetags auf die Situation Anfang vergangener Woche zurück. Mittlerweile habe sich die Lage beruhigt: „Die Nachfrage kann gut gedeckt werden.“

Zuerst hatte die Landesregierung den Kreis der Anspruchsberechtigten sehr klein gehalten. Nur wenn beide Eltern oder der alleinerziehende Elternteil in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiteten und nicht abkömmlich waren, durften die Kinder in die Notbetreuung. Seit dem Wochenende sind Erziehungsberechtigte gleichgestellt, die aus anderen schwerwiegenden Gründen an der Betreuung ihrer Kinder gehindert sind.

Unklarheiten gibt es noch über die Berufe, die eine Notfallbetreuung in Anspruch nehmen können. Unstrittig sind dies Beschäftigte in der Gesundheitsversorgung und in Unternehmen, die Medizinprodukte herstellen. Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungsdienstler sowie Mitarbeiter in der öffentlichen Infrastruktur von Telekommunikation bis Nahverkehr und Justizvollzug gelten ebenso als unverzichtbar.

Als Fehler sieht man bei der Gewerkschaft Verdi, dass der Lebensmitteleinzelhandel in Baden-Württemberg nicht in der Liste der kritischen Berufe steht. In Hessen sei das der Fall, reklamiert der für den Handel zuständige Verdi-Bereichsleiter Bernhard Franke. In der Praxis sind aber auch ihm bisher keine Probleme bekannt. Die großen Handelsketten würden sich bemühen, die Wünsche von Eltern mit Kindern bei den Dienstplänen zu berücksichtigen. Franke: „In den Betrieben läuft das sehr flexibel.“

Bei der Notbetreuung gibt es einen Zielkonflikt. Die Gruppen sollen nicht zu groß werden, damit das Risiko von Corona-Ansteckungen klein bleibt. „Sonst hätten wir die Einrichtungen ja nicht schließen müssen“, sagt die Sprecherin des Städtetags. Zur Sicherheit schreibt das Land vor, dass beim Essen in der Notbetreuung ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Tischen besteht. Auch Stehplätze müssten so gestaltet sein, dass mindestens ein Abstand 1,5 Meter zwischen den Personen gesichert ist.

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