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Verkehr Auf dem Frankfurter Airport wird die Corona-Krise besonders deutlich / Viele Beschäftigte bangen um ihre Arbeitsplätze

Großflughafen im Winterschlaf

Frankfurt.Die große Anzeigetafel in der Halle A ist gut gefüllt mit Abflugzeiten, doch davon darf sich am Frankfurter Flughafen niemand täuschen lassen. Am größten deutschen Drehkreuz herrscht weiterhin die große Corona-Flaute. Mit noch gut 400 Flugbewegungen und rund 22 000 Passagieren pro Tag ist der Weltflughafen im November auf einem Niveau angekommen, das vor der Krise an kleineren Airports wie Köln oder Hannover verzeichnet wurde. So richtig viel Betrieb gibt es nur in dem Übergangsgebäude zum ICE-Bahnhof, wo die Firma Centogene ein großes Zentrum für Corona-Tests betreibt.

Wenn grob nur noch jeder dritte Flug stattfindet und fast 90 Prozent der Passagiere ausbleiben, schnurrt der Betrieb eng zusammen: Eines von zwei Passagier-Terminals ist dicht und die Lufthansa hat ihre Verwaltungszentrale vorübergehend zugeschlossen. Auf der neuesten von vier Start- und Landebahnen parken Flugzeuge, die im Moment keiner braucht, und tausende Menschen zittern um ihre Jobs. Mit über 80 000 Beschäftigten zählt der Rhein-Main-Airport bislang zu den größten Arbeitsstätten Deutschlands.

In der Nähe der nur spärlich frequentierten Lufthansa-Schalter warten Werner Jung und ein jüngerer Kollege auf Sperrgepäck, das extra verladen werden muss. „Ich nehm noch jeden Koffer mit“, sagt der 61 Jahre alte Gepäckmeister, der beim Flughafenbetreiber Fraport nur noch wenige Wochen zu arbeiten hat. „Eigentlich wollte ich bis zum Ende durchziehen, aber dann hat das Abfindungsangebot schon gut gepasst.“

Rasanter Jobabbau

Langjährige Beschäftigte bei Fraport und auch bei der Lufthansa sind faktisch unkündbar, die Firmen sind auf die Kooperation der Einzelnen angewiesen, weiß Verdi-Gewerkschafter Mathias Venema. Sie sind geschützt durch Tarifvertragsregelungen, die aus Zeiten stammen, als die heutigen Aktiengesellschaften noch zum Öffentlichen Dienst gehörten. Die Fraport ist immer noch mehrheitlich in öffentlicher Hand und auch bei der klammen Lufthansa ist der Staat als Retter wieder eingestiegen. Bei beiden Job-Schwergewichten werden die Möglichkeiten der Kurzarbeit ausgereizt, Abfindungen angeboten und neuartige Teilzeitmodelle mit den Gewerkschaften verhandelt. Lufthansa hat in der Krise vor allem im Ausland bereits rund 30 000 Jobs abgebaut oder mit dem Verkauf der Catering-Tochter LSG ausgelagert. Fraport setzt auf Abfindungen, Vorruhestand und Altersteilzeit, um rund 4000 von 22 000 Jobs abzubauen.

Davon können mehr als 200 Beschäftigte des Dienstleistungsunternehmen Wisag nur träumen: Sie erhielten kurz vor Weihnachten die Kündigungen, um die nun vor dem Arbeitsgericht gestritten wird. Die Hoffnungen auf ähnlich lukrative Abfindungen wie bei der Fraport haben sich bei der Privatfirma schnell zerschlagen. Zuvor mussten am Flughafen bereits Leiharbeiter und befristet Angestellte gehen, doch die genaue Zahl kennt auch Verdi nicht. Gewerkschafter Venema ist froh, dass wenigstens der Frachtbereich brummt.

In den sonst gut besuchten Snackbereichen und Einkaufspassagen mit ihren Luxus-Marken herrscht momentan Tristesse. Zu einer Kündigungswelle sei es bislang bei den Ladengeschäften aber nicht gekommen, berichtet Fraport-Sprecher Torben Beckmann. Das liegt auch daran, dass der Flughafen in guten Zeiten am Umsatz der Einzelhändler beteiligt ist, jetzt die Ausfälle also mitträgt. Bei den verbleibenden Sockelmieten habe man bislang stets eine vernünftige Lösung gefunden, versichert der Fraport-Mann.

Bei den am Flughafen vertretenen Behörden herrscht dagegen Hochbetrieb. Der Zoll ist mit den Folgen des Brexits beschäftigt und die Bundespolizei mit einem erstaunlich großen Tagesgeschäft: „Die Zahl der Straftaten ist leider nicht so stark zurückgegangen wie die der Passagiere“, sagt Sprecher Reza Ahmari. Und die häufig geänderten Reisebestimmungen in Folge der Corona-Pandemie führten zu mehr als 100 000 spezifischen Anfragen an die Dienststelle, die einen eigenen Corona-Koordinierungsstab gründen musste. lhe