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Justiz Im Prozess gegen bundesweit agierende Bordellbetreiber sagt Opfer aus / Transsexuelle zu Sexarbeit gezwungen

Großteil der Einkünfte abgegeben

Hanau.Als die Transsexuelle von ihrer Ausbeutung in Bordellen und den zerplatzen Träumen von einem besseren Leben in Deutschland berichtet, verliert sie die Fassung. Schluchzend wischt sich die Frau immer wieder Tränen aus den Augen. „Hierher zu kommen, war die letzte Hoffnung“, sagt die 25-Jährige mit brüchiger Stimme. Sie schildert, wie sie im Jahr 2016 in diversen Etablissements im Bundesgebiet angeschafft hat. Von den Strippenziehern wurde sie ihren Worten zufolge abgezockt, bedroht und eingesperrt – wie eine Sex-Sklavin, die jeden Wunsch erfüllen müsse.

Es ist am Donnerstag vor dem Landgericht Hanau der erste Auftritt einer der beiden Nebenklägerinnen. Verhandelt wird gegen fünf mutmaßliche Bordellbetreiber. Sie sollen Teil eines bundesweiten Prostitutionsrings mit Transsexuellen aus Thailand sein. Angeklagt sind vier thailändische Frauen und ein deutscher Mann. Sie sollen mit Mittätern die Prostituierten nach Deutschland eingeschleust haben.

Frische Luft nur mit Aufpasser

Vorgeworfen wird ihnen unter anderem Zwangsprostitution, das Einschleusen von Ausländern, Ausbeutung von Prostituierten, Vorenthalten und Veruntreuung von Arbeitsentgelt sowie Steuerhinterziehung. Nach Gerichtsangaben handelt es sich um einen „transsexuellen Geschädigten“, der am Donnerstag in dem Prozess aussagt. Sie selbst bezeichnet sich als „Trans-Frau“. Mit männlichem Geschlecht geboren, wirkt sie mit langen braunen Haaren, der Bluse und den rot lackierten Fingernägeln sehr weiblich. Ihre Stimme ist für eine Frau tief.

Nach ihrem Flug nach München reiste sie nach Düsseldorf und von dort aus zu ihrem ersten Einsatzort in Siegen. Den Großteil ihrer Einkünfte habe sie aushändigen müssen. Davon seien Schulden für die Einreise sowie Kosten für Verpflegung abgezogen worden. Sie gab an, sie habe mitunter rund um die Uhr für Sex verfügbar sein müssen.

Nach der Station in Siegen sei es weiter gegangen nach Hannover, Rastatt, Rodgau und Maintal. Sie gab an, fast immer eingesperrt gewesen zu sein. Frische Luft zu schnappen vor der Tür sei nur mit einem Aufpasser erlaubt gewesen. Wenn sie nicht spurte, habe sie befürchtet, dass ihrer Mutter in Thailand etwas zustoßen könne. Die Flucht aus den Fängen der Bordell-Betreiber sei schwierig gewesen. Auch weil ihr Reisepass einbehalten worden sei.

Im Sitzungssaal sagte die Frau, sie erkenne die Hauptbeschuldigten, wieder. Ein 63-Jähriger und eine 60-Jährige. Sie sollen in Siegen drei Bordelle betrieben haben. Die Sex-Arbeiterinnen seien im Rotationsverfahren an weitere Etablissements verteilt worden