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Zeitungsbranche Verlage kämpfen um Leser im Internet und mancherorts auch gegen die Konkurrenz aus den Kommunen

„Grundhaltung des Misstrauens“

Bad Mergentheim.Der baden-württembergische Städtetag hat sich dafür ausgesprochen, den Streit mit Zeitungsverlagen um kommunale Amtsblätter beizulegen. „Es ist jetzt genug gestritten worden“, sagte Gudrun Heute-Bluhm vom Vorstand des Städtetags am Freitag bei der Jahrestagung des Verbands Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis). Die Tagung wurde von den „Fränkischen Nachrichten“ ausgerichtet. Sie ist eine Zeitung der Haas-Mediengruppe, zu der auch der „Mannheimer Morgen“, der „Bergsträßer Anzeiger“ und die „Schwetzinger Zeitung“ gehören.

Kritik an städtischen Portalen

„Ich glaube nicht, dass es das Bundesverfassungsgericht braucht, um Verlage und Kommunen wieder in ein gemeinsames Boot zu bringen“, sagte Heute-Bluhm. Die „Südwest Presse“ hatte erfolgreich gegen die Stadt Crailsheim geklagt, die in ihrem kostenlos verteilten „Stadtblatt“ über Geschehnisse in der Stadt berichtete und damit der Lokalzeitung Konkurrenz machte. Ende Mai wird dazu eine weitere Entscheidung des Oberlandesgerichts Stuttgart erwartet.

„Crailsheim ist kein Ausnahmefall“, sagte der Geschäftsführer der „Südwest Presse“, Thomas Brackvogel. Auch in manch anderen Stadtverwaltungen gebe es eine Grundhaltung der Respektlosigkeit und des Misstrauens gegenüber unabhängigen Medien. Es gehe nicht nur um gedruckte Amtsblätter, sondern auch um städtische Informationsportale im Netz. Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Wolfgang Reinhart, zeigte Verständnis für den Unmut der Verleger: „Der Staat und auch die Kommunen dürfen die Aufgaben der staatsfernen und freien Presse auch im lokalen Bereich nicht einfach an sich ziehen.“

Die Tageszeitungen in Baden-Württemberg haben im vergangenen Jahr mit ihren Online-Angeboten mehr junge Leser erreicht. Die verkaufte Auflage der Printausgaben ging dagegen weiter zurück: um 2,7 Prozent auf 1,7 Millionen Exemplare. Laut VSZV-Jahresbericht erreichen die Zeitungen im Südwesten mit Print und Online zusammen 81 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren. Allein in der jungen Altersgruppe von 14 bis 29 Jahren kamen im vergangenen Jahr 1,1 Millionen Leser hinzu.

Laut einer Studie kommt es für eine Zeitung entscheidend darauf an, „dass die Redaktion von den Lesern als unabhängig wahrgenommen und keine zu große Nähe zu den Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft vermutet wird“. lsw