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Unfälle Ablenkung der Fahrer ist eine der größten Gefahren auf hessischen Straßen / Ermittlungen der Ursache oft schwer möglich

Handy, Navi oder Radio bergen Risiken

Archivartikel

Frankfurt.Es passierte auf einer Landstraße bei Gießen. Eine Autofahrerin gerät mit ihrem Wagen in den Gegenverkehr und verursacht einen Zusammenstoß mit zwei Schwerverletzten. Aus noch unbekannter Ursache, teilt die Polizei zu dem Unfall vergangene Woche mit, prüft aber, ob die Frau durch ein Handy abgelenkt gewesen sein könnte. Auch bei anderen Zusammenstößen in Hessen muss die Polizei meistens zunächst berichten: unklare Ursache. Doch was kommt am Ende bei den Ermittlungen heraus?

Zu den Hauptunfallursachen gehören seit mehreren Jahren ein zu geringer Abstand und nicht angepasste Geschwindigkeit, wie der Polizei-Verkehrsexperte Thomas Mosbacher berichtet. Das zeigt auch die Unfallstatistik für 2018, die bei Unfällen mit Personenschäden insgesamt den „ungenügenden Sicherheitsabstand“ als Ursache Nummer eins auflistet. Von den mehr als 2100 Crashs mit Verletzten oder Toten betraf das 4400 Fälle, gefolgt von missachteter Vorfahrt (rund 4000) und nicht angepasster Geschwindigkeit (rund 2800).

Daten werden kaum ausgewertet

Hinter der Statistik kann sich unterschiedliches Fehlverhalten d verbergen: Beim Thema Abstand etwa spiele nicht nur zu dichtes Auffahren eine Rolle, sondern fehlende Aufmerksamkeit, berichtet Mosbacher, der beim Landeskriminalamt für den Bereich Verkehrsprävention zuständig ist. „Es gibt die Fälle, bei denen jemand noch hätte bremsen können – wenn er nicht am Handy gespielt hätte. Allerdings ist es schwer nachzuweisen, ob das Handy benutzt wurde.“ Die Daten eines Mobiltelefons werden meist nur nach schweren Unfällen ausgewertet, was ein Richter anordnen muss. „Das macht man nicht bei einem 100 Euro-Blechschaden.“ Weitere Ablenkungen: Autofahrer stellen einen neuen Radiosender ein, bedienen das Navi oder schauen auf die Touchscreens ihres Bordcomputers. „Bei den Unfällen mit der Ursache „zu geringer Abstand“ finden sich letztlich die vielen Momente der Unaufmerksamkeit wieder“, sagt Mosbacher. „Wir müssen uns als Fahrer disziplinieren und tunlichst vor einer Fahrt die Route auf dem Navi einstellen, den Radiosender einschalten oder die Freisprechfunktion für das Handy.“

Die Rangliste der Unfallursachen unterscheidet sich etwas, je nachdem, ob es auf Landstraßen und Autobahnen kracht oder in den Städten. Innerorts führte zuletzt die missachtete Vorfahrt die Statistik an, gefolgt vom fehlenden Abstand und Fahrfehlern beim Abbiegen. Außerhalb von Ortschaften kommt es vor allem wegen des zu geringen Sicherheitsabstandes und zu schnellen Fahrens zum Unfall. lhe