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Korruption Drogen- und Handyschmuggel in Heilbronner Justizvollzugsanstalt / Chefs verweisen auf Prüfungen

Harte Vorwürfe gegen Gefängnisleitung

Heilbronn.Im Fall um den Korruptionsverdacht und den mutmaßlichen Schmuggel von Drogen und Handys durch Staatsbeamte ins Heilbronner Gefängnis gerät jetzt auch die Führungsspitze in den Fokus: Nachdem ein Vollzugsbeamter verhaftet wurde und Ermittlungen gegen sechs weitere Mitarbeiter angelaufen sind, machen andere Vollzugsbeamte der Gefängnisleitung schwere Vorwürfe. Diese soll vom Verdacht krimineller Machenschaften in den eigenen Reihen seit längerer Zeit gewusst und nichts unternommen haben. Die Leitung weist die Vorwürfe zurück: Es habe damals keine belastbaren Hinweise gegeben, teilt sie mit.

Von einem „Korruptionssumpf“ sprechen hingegen die zwei Vollzugsmitarbeiter. Ihr Motiv: Mitzuhelfen, dass ein „krankes System“ beendet wird, und dafür zu sorgen, dass „Verbrecher“ in Reihen des Justizvollzugs nicht geschützt werden. Nach Aussage der Beamten haben sie sich mehrfach an die Gefängnisleitung in Heilbronn gewandt und vom Verdacht gegen den Mitarbeiter H. berichtet.

„Es ist nichts passiert“, sagt ein Vollzugsbeamter. Die Gefängnisleitung habe negative Schlagzeilen offenbar vermeiden wollen. Untätig ist sie aber offenbar nicht gewesen. Drei Mal sei sie seit 2016 wegen des Verdachts, dass der Hauptbeschuldigte H. Straftaten begeht, an die Polizei herangetreten, teilen sie und das Justizministerium mit. Die Vorwürfe reichen indes weiter zurück. Gefängnischef Hans-Hartwig Dickemann und Stellvertreterin Stefanie Hörter sollen nach Angaben der Vollzugsbeamten seit 2015 Informationen über Drogenschmuggel gehabt haben. Ein der „Heilbronner Stimme“ vorliegendes Dokument stützt diese Aussage. „Strafvereitelung im Amt“ werfen die Beamten der Führung vor.

Verdacht schon seit Jahren

Ein weiterer Insider berichtet, dass der Korruptionsverdacht gegen den Vollzugsbeamten H. schon seit Jahren bestanden habe. Er spricht von einem Armutszeugnis und Versagen der Anstaltsleitung, wenn gegen weitere Bedienstete und sogar Auszubildende ermittelt werde.

Hans-Hartwig Dickemann ist im Urlaub. Auf Fragen antwortet Stellvertreterin Hörter, dass man „selbstverständlich jedem Verdacht einer strafbaren Handlung“ nachgehe. Im konkreten Fall habe es 2015 keine belastbaren Hinweise gegeben – drei Jahre später schon – und sieben vom Dienst suspendierte Beamte. Ein Häftling, der auspackte, hat diese Welle ausgelöst.

Die Autoren sind Redakteure bei der „Heilbronner Stimme“.

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