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Verkehr Die Modernisierung des Untergeschosses an Frankfurts zentralem Knotenpunkt hat begonnen / 375-Millionen-Projekt

Hauptbahnhof bekommt neue B-Ebene

Archivartikel

Frankfurt.Passanten hasten eilig von der U-Bahn hoch zu den Ausgängen. Ein Mann pöbelt lautstark einen Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst an. Tauben flattern entlang der tiefen Decken. In den Ecken stinkt es nach Urin. „Das ist wirklich schlimm hier“, sagt eine 67 Jahre alte Passantin, die mit schnellem Schritt die B-Ebene am Frankfurter Hauptbahnhof durchquert. Hessens Verkehrsminister, Tarek Al-Wazir (Grüne) sagt: „Wir müssen nicht drumherumreden: Die B-Ebene ist nicht der Ort, an dem man sich gerne aufhält.“

Ein Drittel für Umbau gesperrt

Das soll sich nun ändern: Das in die Jahre gekommene Untergeschoss, in dem sich zahlreiche Geschäfte und die Zugänge zur U- und S-Bahn befinden, wird seit Montag saniert. Ein Drittel der Fläche ist bereits für den Umbau gesperrt, die nördlichen Zugänge sind abgeriegelt. Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn, kündigt an: „Wir sorgen für eine offene Gestaltung, eine einladende Beleuchtung und einen völlig neuen Einkaufs- und Gastronomiebereich“.

Der 1888 eröffnete Frankfurter Hauptbahnhof ist einer der größten Bahnhöfe Deutschlands und ein zentraler Verkehrsknotenpunkt. Vor der Corona-Krise zählte er täglich rund eine halbe Million Reisende und Besucher. Rund 1800 Züge fahren hier täglich an und ab. In den 1970er-Jahren war mit dem Bau der S-Bahn die unterirdische B-Ebene entstanden. Diese soll jetzt nicht nur heller, einladender und freundlicher werden, sondern auch übersichtlicher und sicherer.

Denn die Drogenszene aus dem angrenzenden Bahnhofsviertel macht sich auch dort bemerkbar. „Wir wollen, dass dieser Ort wieder seinen Schrecken verliert“, sagt Al-Wazir. Kleinere Zugänge werden laut der Planungen geschlossen. In der historischen Empfangshalle wird der Boden geöffnet und ein großzügiger offener Zugang zu der unteren Ebene geschaffen. Das Umsteigen zwischen Fernzügen und der S-Bahn wird erleichtert. Um die 70 Geschäfte sind geplant.

Die Modernisierung des Untergeschosses sowie des Nordbaus soll bis 2024 erfolgen. Im Anschluss ist der Umbau der Haupthalle geplant. Insgesamt wollen Deutsche Bahn, Bund, Land, Stadt und die kommunale Verkehrsgesellschaft rund 375 Millionen Euro in die Erneuerung investieren. Die Sanierung der B-Ebene ist damit Teil eines größeren Plans. Auch der Vorplatz des Bahnhofs soll neu gestaltet werden und mehr Raum für Passanten und Gastronomie bieten.

Der Hauptbahnhof sei Wahrzeichen und Visitenkarte, „der erste Eindruck, den die Reisenden von unserer Heimatstadt Frankfurt am Main haben. Unser Eingangstor zur City“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). lhe