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Soziales Justizminister plant mehr Häuser des Jugendrechts in Baden-Württemberg / Zahlreiche Akteure kooperieren

Haus des Jugendrechts: Land will Zentren ausbauen

Archivartikel

Stuttgart.Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf (CDU) will dafür sorgen, dass in allen Regionen des Südwestens sogenannte Häuser des Jugendrechts angeboten werden können. Diese befassen sich mit Straftaten von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden bis zu einem Alter von 21 Jahren. „Ich strebe einen flächendeckenden Ausbau dieses Erfolgsmodells im Land an. Ich bekenne mich daher ausdrücklich zur weiteren Förderung der Häuser des Jugendrechts“, sagte Wolf gestern dieser Zeitung. Momentan gibt es vier Häuser des Jugendrechts in Baden-Württemberg. Diese befinden sich in Stuttgart, Pforzheim, Mannheim und Heilbronn, wo die jüngste der Einrichtungen 2017 eröffnet wurde. In Mannheim gibt es seit 2015 ein Haus des Jugendrechts.

Justizminister Wolf hat schon weitere Pläne auf dem Tisch. So soll im ersten Halbjahr dieses Jahres in Ulm das nächste Haus des Jugendrechts den Betrieb aufnehmen. Danach sind laut dem CDU-Politiker Häuser in Offenburg und Ludwigsburg geplant. Auch in Freiburg soll Interesse an einer Einrichtung bestehen.

Regionale Unterschiede

Mit den Häusern des Jugendrechts wird ein Modell verfolgt, bei dem verschiedene Akteure Fälle von straffälligen Heranwachsenden gemeinsam bearbeiten. Dazu zählen an den einzelnen Standorten unter anderem die Polizei, die Stadt, das Amtsgericht, das Landratsamt, die Integrationsbeauftragten, die Agentur für Arbeit und die Jugendhilfe. Vor Ort kann sich die Zusammensetzung unterscheiden. So arbeiten in Mannheim Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendhilfe gemeinsam unter einem Dach.

Dazu kommen etliche Kooperationspartner aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Federführend sind in jedem Fall immer die Staatsanwaltschaften. Im Haus des Jugendrechts bündeln die Akteure dann ihre Kompetenzen. Wer sich als Stadt für ein Haus des Jugendrechts entscheidet, benötigt dafür mindestens immer eine zusätzliche Stelle im höheren Dienst – also einen Staats- oder Amtsanwalt – sowie eine Stelle im Servicebereich. „Der wichtigste Zweck des Jugendstrafrechts ist es, erneute Straftaten eines Jugendlichen zu verhindern“, so Justizminister Wolf. Daher seien „schnelle Verfahren, aber auch die Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe unter einem Dach, bei gleichzeitiger Anbindung des Amtsgerichts, besonders wichtig“.

Verurteilungen rückläufig

Das Konzept hat auch zum Ziel, Präventionsmaßnahmen für straffällige junge Menschen zu erarbeiten. Weiter sollen den Betroffenen Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden, damit sie künftig keine Straftaten mehr begehen. Am Ende müsse eine Resozialisierung in den Berufs- oder Schulalltag möglich sein.

Laut der jüngsten Strafverfolgungsstatistik wurden 2017 in Baden-Württemberg rund 100 700 Personen schuldig gesprochen. Vor allem bei den Jüngeren nahm die Zahl der Verurteilungen ab. Der Rückgang war prozentual am stärksten bei den 14- bis 18-Jährigen. Hier reduzierte sich 2017 die Zahl der Verurteilungen im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 Prozent auf rund 3800 Personen. In der Gruppe der 18- bis 21-Jährigen ging die Zahl der Schuldsprüche um 6,8 Prozent auf rund 8400 Verurteilte zurück. Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.