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Verkehr Besonders in Ballungsgebieten werden Autobahnen häufig sehr spät am Tag repariert

Heißer Job Nachtbaustelle

Archivartikel

Rüsselsheim.Die Lastwagen schieben sich dröhnend und in kaum gedrosselter Fahrt im Sekundentakt an der Nachtbaustelle auf der Autobahn 3 bei Kelsterbach vorbei. Es wird gehupt, Scheinwerfer von Fahrzeugen blitzen auf und blenden. Aus einem Auto brüllt ein junger Kerl etwas zu den Bauarbeitern aus dem Fenster: Routine für die sieben Mann zählende Kolonne, die seit 23.30 Uhr für Asphaltarbeiten vor Ort im Einsatz ist.

Auf etwa einem Kilometer Länge sorgt die Baustelle kurz nach dem Übergang von der A 67 am Mönchhofdreieck in Fahrtrichtung Würzburg trotz der Arbeiten tief in der Nacht für Behinderungen. Von drei auf eine Fahrspur ist der Verkehr eingeschränkt. Der Frankfurter Flughafen ist nicht weit. Binnen weniger Minuten bildet sich ein Stau mit zähfließendem Verkehr kurz vor der gelb blinkenden Streckenmarkierung vor der Baustelle.

Rund 135 000 Fahrzeuge sind nach Angaben der Verkehrsbehörde Hessen Mobil täglich auf der Strecke unterwegs. Der Anteil des Schwerlastverkehrs beträgt 14 Prozent. Entsprechend oft kommt es auch zu Schäden auf der Fahrbahn. Die Baustelle fällt in den Bereich der Autobahnmeisterei Rüsselsheim. Etwa 80 Autobahnkilometer umfasst ihr Einzugsbereich im Rhein-Main-Gebiet. Zweimal pro Woche wird der gesamte Abschnitt von einem Streckenwart abgefahren, kontrolliert und die angefallen Schäden dokumentiert.

Sieben Mann auf der A 3

Pro Jahr werden rund zwei Millionen Euro für die Beseitigung von Schäden im gesamten Rhein-Main-Gebiet ausgegeben. Dabei gehe es vor allem um Schäden im Fahrbahnbelag und Fehlstellen sowie Risse in der Fahrbahnbefestigung und Aufwölbungen, berichtet der Leiter der Autobahnmeisterei, Sebastian Stirn.

Der Startschuss für die jeweilige Reparaturarbeit und das benötigte Zeitfenster dafür wird zentral zugeteilt: Je dichter und intensiver eine Autobahn genutzt werde, desto später in der Nacht fingen die Arbeiten an, erklärt Stirn. Um möglichst wenige Verkehrsbehinderungen durch die Arbeiten an der Strecke zu verursachen, gebe es einen klaren Trend zu mehr Baustellen in der Nacht, am Wochenende und in den Ferien. Das sieben Mann starke Team auf der A3 kommt von der Baufirma Schütz aus Weilburg. Alle Männer sind neben den Schutzwesten in leuchtendem Orange mit Ohrenschützern sowie Stirnlampen ausgerüstet und stehen wegen des anhaltenden und ununterbrochenen Lärms untereinander über Funk in Verbindung. Schweres Gerät befindet sich auf den Lastwagen, der Gussasphaltkocher ist bereits in der Nähe der kaputten Stelle auf der mittleren Spur der Autobahn platziert.

Die Stelle, an der der Asphalt repariert werden muss, hat eine Länge von 15 Metern und eine Breite von zwei Metern. Vier Zentimeter tief muss die Asphaltdecke ausgefräst werden. Nachdem alles vorbereitet ist, werden etwa vier Tonnen des 215 Grad heißen Gussasphalts in die Lücke gefüllt. Abschließend wird die neue Asphaltschicht mit Splitt be-streut und gewalzt. Ein bis drei Jahre halte in der Regel diese Art der Fahrbahnausbesserung, berichtet Esra Kalyon, die bei Hessen Mobil für die Planung und Organisation der Baustelle zuständig ist. Bis um 6 Uhr muss alles fertig und die Strecke wieder vollständig gerade für den Pendlerverkehr freigegeben werden.

Mehr Gefahren im Dunklen

Der Zeitdruck ist den Männern nicht anzumerken. Alles geht Hand in Hand. Kein Wort wird zu viel gesprochen. Die vorüberrauschenden, tonnenschweren Fahrzeuge nehmen sie nur aus den Augenwinkeln wahr. Zu ihrem Schutz und für mögliche Bremsmanöver gerade von Lastwagen fangen die eigentlichen Arbeiten erst 100 Meter nach dem ersten blinkenden Hinweisschild an.

„Das ist schon ein heißer Job“, versichert Autobahnmeisterei-Chef Stirn. Die Zahl der Todesopfer unter Bauarbeitern sei zum Glück nicht sehr hoch gewesen in den vergangenen Jahren. In der Nacht seien die Gefahren aber deutlich höher als am Tag. „Bei blauem Licht gehen die Leute schon runter vom Gas. Bei gelbem Licht wird einfach weiter gefahren.“ lhe