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Landwirtschaft An Ostern essen auch die Hessen mehr Eier als sonst / Anteil der Bioprodukte nimmt zu / Strenge Vorgaben

Hennen leben im Wintergarten

Archivartikel

Darmstadt.Auf dem Hofgut Oberfeld schleppen Traktoren die drei Hühnerställe ungefähr alle zwei Wochen 50 Meter weiter. So finden die rund 1200 Legehennen immer wieder frisches Grün oder im Winter frisches Heu. Im größten Stall leben etwa 800 braune Hühner der Rasse Lohmann-Brown. Er besteht aus zwei gleich großen Teilen: einem zum Übernachten mit Sitzstangen, Legenestern und Scharrbereich sowie einem gleich großen Wintergarten mit Scharrfläche. „Das ist eine Demeter-Spezialität“, berichtet Thomas Goebel von der Betriebsleitung der Landwirtschaft AG am Stadtrand von Darmstadt – bei der Bürger die Aktionäre sind.

230 Eier isst jeder Bundesbürger im Schnitt pro Jahr, wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn mitteilte. Das war eins weniger als im Jahr zuvor, alle Verarbeitungsformen eingerechnet. Die meisten Eier stammen aus Bodenhaltung, der Anteil der Bio-Eier wächst aber, wie das Statistische Bundesamt feststellt.

Von den 276 Demeter-zertifizierten Legehennen-Haltern in Deutschland finden sich nach Angaben von Demeter 14 in Hessen. Wie viele Bio-Eier-Betriebe es insgesamt in Hessen gibt, weiß das Landwirtschaftsministerium in Wiesbaden nicht genau. Die Agrarstatistik weise 297 Öko-Betriebe mit 207 000 Legehennen für März 2016 aus. Genaue Vergleichszahlen für 2017 gebe es zwar nicht, das Ministerium geht aber aufgrund anderer Statistiken und Stichproben „von einer deutlichen Zunahme aus“. „Der weit überwiegende Teil der Eier und Geflügelprodukte – auch ,bio‘ – wird aus den Nachbarbundesländern und den EU-Staaten importiert.“ Das Hofgut Oberfeld setzt seit einigen Jahren neben den Lohmann-Brown-Legehennen zunehmend auf die weißen Hühner der Domäne Silber von der gemeinnützigen GmbH Ökologische Tierzucht. Je rund 200 Tiere leben in zwei Ställen. Sie legten im Schnitt rund 260 Eier pro Jahr, sagt Goebel. „Die Eier sind nicht ganz so gleichförmig und es gibt mehr übergroße.“

Konsumenten müssen mehr zahlen

„Diese Hühner werden extra für Biobetriebe gezüchtet, ihre Eltern waren auch schon bio“, beschreibt Inga Günther von Ökologischen Tierzucht gGmbH in Überlingen am Bodensee die Domäne Silber. Die männlichen Küken würden auch nicht sofort getötet. „Die Betriebe müssen die Brüder mit aufziehen oder aufziehen lassen.“ Die Nachfrage nach der Rasse wächst, sie ist aber auch teurer als andere. „Mehr Ökologie und mehr Tierschutz funktionieren nur, wenn der Konsument auch mehr zahlt“, betont Günther. Die Junghennen kommen mit etwa 18 bis 20 Wochen auf das Hofgut Oberfeld, wie Goebel berichtet. Von der 21. Woche an fangen sie an, Eier zu legen. Nach vier bis fünf Wochen würden die Eier größer. Jeden zehnten Tag mache ein Huhn in der Regel Pause. Mit zunehmendem Alter sinke die Eier-Quote wieder, bis auf 70 Prozent. Ungefähr eineinhalb Jahre werden die Hennen alt, dann werden sie in einem kleinen Betrieb im Odenwald geschlachtet und im Hofladen neben den Eiern als Suppenhuhn verkauft. Die Hennen leben im Oberfeld mit Hähnen zusammen, möglichst artgerecht und auch ungestresst: Auf rund 50 Hennen kommt etwa ein Hahn. Die meisten Hühner-Brüder würden aber getrennt von den Hennen aufgezogen. Ungefähr 1000 Gockel-Masthühner könnten im Jahr auf dem Hofgut gehalten werden.

Wann ist ein Ei überhaupt bio? „Das Bio-Ei wird nicht definiert, sondern die Geflügelhaltung muss der EU-Ökolandbauverordnung entsprechen“, erläutert das hessische Landwirtschaftsministerium. Das werde auch kontrolliert und der Betrieb zertifiziert. Insgesamt gebe es mehr als 30 Anforderungen zu Pflanzenbau, Fütterung, Tiergesundheit und Haltung.

Die Verbraucherzentrale Hessen sagt: Die Haltung der Hennen in Käfigen ist nicht erlaubt. Systematisches Schnabelkürzen sei verboten. Jedes Huhn hat Auslauf mit Gras. Es muss die Möglichkeit zum Scharren und Kratzen haben. Die Futtermittel stammen aus ökologischem Anbau. Die Anwendung von Gentechnik ist verboten. Das Ministerium ergänzt: Pro Stall dürfen maximal 3000 Hennen gehalten werden. „Es müssen stets mindestens vier Quadratmeter je Legehenne zur Verfügung stehen.“ Pflanzliche und homöopathische Medikamente seien bei der Krankheitsvorsorge vorzuziehen. Die vorbeugende Anwendung chemisch-synthetischer Arzneimittel sowie von Antibiotika und Hormonen ist verboten.

Kühlendes Staubbad

Der natürliche Tag- und Nachtrhythmus muss eingehalten werden, auch das ist laut Verbraucherzentrale ein Kriterium. „Die Hühner stehen sehr früh auf“, berichtet Goebel vom Hofgut Oberfeld in Darmstadt. Sobald das Licht angeht, dürften die Tiere in den Wintergarten, der fuchssicher sein muss. Wenn es richtig hell wird, geht es raus ins Freie.

Viele Hühner blieben in der Nähe des Stalls, „wegen des Futters, der Tränken und dem Schutz“, sagt Goebel. Oder sie nutzen dort die Möglichkeit zum Staubbad, das kühlend und säubernd wirke. Wenn es dunkel wird, gingen die meisten Hennen von allein in den Stall, aber nicht alle, manchmal gefällt es ihnen in den schützenden Hecken zu gut. Kontrollgänge gehören zur Routine auf dem Hof. Denn: „Der Fuchs geht jede Nacht seine Runde.“