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Wetter Große Schäden wegen der monatelang ausbleibenden Niederschläge – vor allem die Bauern klagen

Hessen sitzt auf dem Trockenen

Frankfurt.Winzer, Obstbauern, Imker: Die Liste der Gewinner des Trockensommers 2018 ist überschaubar. In weitaus mehr Bereichen sind wegen der monatelang ausbleibenden Niederschläge große Schäden entstanden. Und noch immer ist keine Besserung in Sicht. „Es fehlt die Regenmenge von ein bis zwei Monaten“, sagt Hans-Helmut Schmitt vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Die andauernde Trockenheit gefährdet die Aussaat von Wintergetreide, auch an den Flüssen ist die Lage angespannt. Ein Überblick über die Situation im Land:

Landwirtschaft

Die Probleme der Landwirte dauern an, denn auch Wintergetreide braucht Feuchtigkeit. Der Winterraps sei deshalb vielerorts noch gar nicht ausgesät worden, sagt Bernd Weber vom Landesbauernverband. „In dem Ausmaß hatten wir das noch nicht.“ In Südhessen hätten einige Bauern begonnen, ihre Weizenfelder zu beregnen, damit die Pflanzen überhaupt keimen könnten. Viehfutter sei nach dem trockenen Sommer knapp, weshalb die Bauern auf teure Zukäufe angewiesen seien und überlegen müssten, Tiere zu verkaufen.

Bei der Kartoffelernte gebe es teilweise Einbußen von 50 Prozent, auch die Zuckerrübenbauern erlebten ein Katastrophenjahr. „Wenn es kein Wasser gibt, gibt es kein Wachstum“, sagt Weber. Gut lief es dagegen für die Obstbauern und Winzer, denn ihre Bäume und Reben konnten sich nach dem nassen Herbst und Winter 2017/2018 noch gut mit Wasser versorgen. Auch die Imker konnten ein Plus vermelden.

Grundwasser

Sorgen um die Grundwasser-Situation wären nach Einschätzung von Mario Hergesell vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) verfrüht. Dass der Grundwasserstand im Sommer abnimmt, sei erst einmal normal. „Entscheidend ist nun das Winterhalbjahr“, sagt Hergesell. Bleibe es auch dann trocken, wären allerdings sehr unterdurchschnittliche Werte die Folge.

Flüsse

In 80 Prozent der Flüsse im Land herrscht nach Angaben des Landesamts Niedrigwasser. Am Rhein müssen die Schifffahrtsunternehmen deshalb Einbußen hinnehmen. Um den Fährbetrieb aufrechtzuerhalten, musste mancherorts schon gebaggert werden. Schmalere Bäche schränken den Lebensraum der Fische stark ein, zudem steigt die Abwasserkonzentration in den Gewässern. Anzeichen, dass sich die Lage demnächst ändert, sieht auch das HLNUG nicht am Horizont.

Tiere

Auch andere Wildtiere und Insekten hatten einen harten Sommer. „Es herrschte Wassermangel“, sagt Susanne Schneider vom Landesverband des Naturschutzbunds BUND. Die Tiere seien auf Bäche und Pfützen angewiesen und müssten, wenn diese austrockneten, weitere Wege in Kauf nehmen. Die Lage sei angespannt gewesen, von massenhaften ernsthaften Folgen sei nichts bekannt. Hilfreich sei nach wie vor, Vogeltränken und Schalen mit Wasser draußen aufzustellen.

Wald

Auch der Wald hat gelitten. Borkenkäfer vermehrten sich rasant und lassen Fichten absterben, wie der Landesbetrieb Hessenforst berichtet. „Das haben wir so noch nicht erlebt“, sagt Sprecherin Petra Westphal. Der Schaden sei noch nicht zu beziffern, es habe aber „richtig, richtig viele Bäume“ getroffen.