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Gesundheit Sozialminister Klose zwingt Kommunen zu Verbot von Großveranstaltungen / Zahl der Infizierten sprunghaft gestiegen

Hessen verstärkt Maßnahmen im Kampf gegen Virus

Archivartikel

Wiesbaden.Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten steigt jetzt auch in Hessen deutlich, und die Landesregierung zieht im Kampf dagegen die Zügel an. Mit einem Erlass wies Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Donnerstag die Gesundheitsämter der Kommunen förmlich an, alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern zu verbieten. Das hatte er ihnen schon zwei Tage zuvor empfohlen, doch daran hielten sich nicht alle Kommunen.

So blieb die Stadt Frankfurt zunächst dennoch bei ihrer Absicht, bei dem Fußballspiel der Europaleague zwischen Eintracht Frankfurt und FC Basel am Donnerstagabend Zuschauer zuzulassen. Erst nach einer Intervention Kloses rückte sie davon ab, so dass die Partie als „Geisterspiel“ vor leeren Rängen stattfand.

Zumindest bis zum 10. April wird es ein solches Gerangel nun nicht mehr geben, denn an die neue Weisung des Ministers sind alle Gesundheitsämter der Städte und Landkreise in Hessen gebunden. So lange ist der Erlass zunächst gültig, doch Klose hält es selbst für wahrscheinlich, dass er ihn danach noch einmal verlängern oder gar mit weiteren Beschränkungen neu fassen muss.

Der Minister beruft sich auf die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts in Berlin sowie die zwischenzeitlich erfolgte Ausrufung des Coronavirus SARS-CoV-2 zur Pandemie durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ganz sicher trug aber auch der sprunghafte Anstieg der Zahl infizierter Menschen in Hessen zu der verschärften Gangart bei. Von 48 am Mittwoch auf 91 schon am Donnerstag (14 Uhr) hat sie sich fast verdoppelt, es war der weitaus größte Anstieg innerhalb eines Tages.

Zum Glück handele es sich aber durchweg um milde Krankheitsverläufe, berichtete der für Gesundheit zuständige Landesminister. Die Erkrankten würden grundsätzlich unter häusliche Quarantäne gestellt. Nur wo das nicht möglich ist, müssen sie ins Krankenhaus. Noch drastischere Maßnahmen wie etwa die Schließung von Unis, Schulen und Kitas hält Klose derzeit noch nicht für verhältnismäßig.

Die Grenze von 1000 Menschen bei Veranstaltungen gilt auch für Kongresse, Messen und Tagungen, Theater, Konzerte und ähnliche Festivitäten, aber auch Personal-, Betriebs-, Aktionärs- und Gesellschafterversammlungen. Bei weniger als 1000 Teilnehmern sind die örtlichen Gesundheitsämter ebenfalls gehalten, notfalls über zwangsweise Absagen nachzudenken. Dabei mache es einen Unterschied, ob die Teilnehmer aus Risikogebieten oder nur aus Hessen kommen, erläuterte die Referentin für Infektionsschutz in Kloses Ministerium, Sabine Totsche.

Am Donnerstag kam es zu den ersten Absagen. Neben der Luminale in Frankfurt können zum Beispiel in Kassel bis zum 30. April keine Opern und Schauspielaufführungen mehr stattfinden, in den Museen wird der Publikumszugang begrenzt, wie Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) mitteilte.