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Bildung Zahl der Erstklässler steigt / Land stellt 600 zusätzliche Lehrer ein und will Sprachkurse verpflichtend machen

Hessens Schulen werden voller

Archivartikel

Wiesbaden.„Von demografischer Rendite redet heute niemand mehr, die Schülerzahlen steigen mittelfristig wieder an“, sagt der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) bei seiner Pressekonferenz zu dem am Montag beginnenden neuen Schuljahr. Und der Satz steht am Donnerstag in Wiesbaden nur scheinbar im Widerspruch zu seiner Mitteilung, dass die Schülerzahl landesweit erst einmal leicht um 1000 auf nunmehr 759 000 zurückgeht. Entscheidend ist nämlich, dass auch jetzt wieder mehr Erstklässler eingeschult werden als im Vorjahr: Kommende Woche sind es 54 900 und damit ein Plus von 700 gegenüber dem Schuljahr 2018/19. Der Trend mittelfristig wieder steigender Schülerzahlen verfestigt sich also, und das macht die Arbeit der Schulverwaltung nicht einfacher.

Vor allem machen mehr Schüler auch mehr Lehrer nötig. Weitere 600 Stellen werden dafür im neuen Schuljahr eingerichtet – davon 350 für den Ausbau der Ganztagsbetreuung und 60 für Inklusion, also den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern. Doch die Zeiten, da Lehramtsstudenten – abgesehen von bestimmten Fächerkombinationen –lange auf die Einstellung in einer Schule warten mussten, sind vorbei. „Der Arbeitsmarkt für Lehrer bleibt weiter angespannt“, räumt der Kultusminister ein. Vor allem Grund- und Förderschullehrer werden händeringend gesucht, nicht viel besser sieht es bei Berufsschullehrern aus.

Leer gefegter Arbeitsmarkt

Lorz ist deshalb froh, dass die schwarz-grüne Koalition bei dem seinerzeit noch fortschreitenden Rückgang der Schülerzahl zu seinem Amtsantritt 2014 beschloss, die „demografische Rendite“ im System zu lassen und nicht wie in anderen Ländern Lehrerstellen abzubauen. Deren Gesamtzahl stieg seitdem im Gegenteil sogar um 4200 auf nunmehr 54 700 zum Beginn des neuen Schuljahres. Trotz des vielfach leer gefegten Arbeitsmarkts zeigt sich Lorz optimistisch, die neuen Stellen auch besetzen zu können. Unterrichtsausfall wegen nicht vorhandener oder nicht besetzter Lehrerstellen werde es jedenfalls nicht geben.

Wohl aber sei er wegen Krankheit oder Elternzeit von Lehrern oder deren Teilnahme an Schulausflügen und Fortbildungen möglich, räumt Lorz ein. Eine Zahl kann er nicht nennen, weil es bisher keine landesweiten Erhebungen dazu gab. Der Minister will sie aber in Zukunft einführen. Wann genau lässt er offen, im nächsten Schuljahr sei es aber wohl noch nicht zu schaffen, sagt sein Sprecher Stefan Löwer auf Nachfrage. Um dem Lehrermangel langfristig besser zu Leibe rücken zu können, wird auch die Zahl der entsprechenden Studienplätze weiter erhöht. Trotz stark rückläufiger Flüchtlingszahlen sieht Lorz den Bedarf an Deutschkursen und Sprachunterricht ungebrochen, nicht zuletzt wegen vieler Zuwanderer aus der Europäischen Union.

Positives Beispiel

Stolz ist der Kultusminister darauf, dass Hessen in der neu entbrannten Diskussion über mangelnde Sprachkenntnisse von Kindern mit Migrationshintergrund als positives Beispiel genannt wird. Lorz will daran festhalten, dass in solchen Fällen schon anderthalb Jahre vor der Einschulung eine Sprachstands-Erhebung gemacht wird. Immerhin 12 000 Betroffene gingen freiwillig in die dafür eingerichteten Vorlauf-Klassen mit dem Ziel, bis zur Einschulung ausreichende Deutschkenntnisse zu vermitteln.

Doch das reicht ihm noch nicht: Um auch die noch fehlenden 700 Kinder zu erreichen, will er gemäß Koalitionsvertrag den Besuch der Vorklassen verpflichtend machen. Im nächsten Jahr werde er sich an ein entsprechendes Gesetz machen, das dann 2021 in Kraft treten soll.