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Gesellschaft Landgrafen müssen ihr Vermögen mittlerweile auf andere Weise sichern als durch Erfolge in der Politik / Immobilien als Wirtschaftsunternehmen

Hessischer Hochadel passt sich der Zeit an

Archivartikel

Frankfurt.Seinen Beruf hat sich Donatus Landgraf von Hessen nicht aussuchen können. Adel verpflichtet – auch den 52 Jahre alten Chef des Fürstenhauses Hessen, der aus Kronberg die Unternehmen der hessischen Hausstiftung leitet. „Seit 1263“ steht unter dem Logo der Unternehmensgruppe „Prinz von Hessen“, aber auch das alte Vermögen muss mit der Zeit gehen, wenn es bleiben soll. Der Großneffe der britischen Queen und Ururenkel des deutschen Kaisers Friedrich III. baut um und nimmt dafür in Kauf, stärker in der Öffentlichkeit zu stehen.

„Ich mache das gerne, wenn es ums Geschäft geht. Sonst suche ich die Öffentlichkeit nicht“, sagt der Betriebswirt. Geschäftlich habe er ein Ziel: „Das Vermögen erhalten und gestalten, um es an die nächste Generation zu übergeben.“

Der Besitz der landgräflichen Stiftung besteht wie bei vielen anderen Adelsgeschlechtern wesentlich aus Immobilien: Zwei der nobelsten Hotels im Rhein-Main-Gebiet, das renommierte VDP-Weingut sowie das Trakehner-Gestüt Panker samt umfangreicher Landwirtschaft in Schleswig-Holstein bilden den Kern. Unter der Dachmarke „Prinz von Hessen“ soll das künftig gemeinsam vermarktet werden.

Die Anforderungen an moderne Gastbetriebe haben sich in den vergangenen Jahren etwa durch die Digitalisierung enorm verändert. Längst müssen auch Traditionshotels die Social-Media-Kanäle bespielen, zeitgerechtes Marketing gestalten und sich mit Internet-Vermittlern auseinandersetzen. „Dazu kommt, dass die rechtlichen Anforderungen etwa zu Datenschutz und Arbeitsbedingungen immer komplexer werden. Das kann man nicht mehr machen wie vor 20 Jahren“, sagt der Landgraf. Seine Schlussfolgerung war, die Gastbetriebe künftig gemeinsam zu führen.

Die Hessen gehören wie die Fugger, die Hohenzollern, die Welfen und Bayern zu den wichtigsten deutschen Adelshäusern. 2003 heiratete Landgraf Donatus seine Frau Floria, eine geborene Gräfin von Faber-Castell, deren Familie die berühmte Bleistift-Fabrik in Stein bei Nürnberg betreibt. Industrielle Beteiligungen sind eher selten im Hochadel, eine wichtige Ausnahme bildet die Zollern-Gruppe, die noch zur Hälfte den Hohenzollern gehört.

Sandro Bohrmann gehört zu den Managern, die der Landgraf von Hessen für den Wandel verpflichtet hat. „Nach meiner Einschätzung werden die großen Ketten und die ganz individuellen Hotels überleben“, sagt der frühere Manager der US-Kette Marriott auf der Terrasse des Schlosshotels Kronberg, 1893 erbaut für Victoria, Witwe des „99-Tage-Kaisers“ Friedrich III. Bohrmann genießt im Hause Hessen die kurzen Entscheidungswege. „Das ist hier fast schon wie in einem Start-up, auch wenn die Betriebe schon so lange existieren.“ lhe