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Geschichte Im Oktober 1977 wurde die Lufthansa-Maschine „Landshut“ von RAF-Terroristen entführt / Streit wegen Ausstellung

Hickhack um Symbol des Terrors

Archivartikel

Friedrichshafen.Der Rumpf wird mit gelben Bändern gesichert. Die „Landshut“ könnte sonst umkippen. An dem Flugzeug, dessen Name sich als Synonym für Terror ins bundesdeutsche Gedächtnis gebrannt hat, fehlen die Flügel. Sie liegen wie auch andere Teile der kaum noch als Boeing 737 zu erkennenden Maschine verteilt in dem Hangar. Schrott im Wert von 20 000 Euro. Während die „Landshut“ in Friedrichshafen am Bodensee vor sich hin rottet, beharken sich die zuständigen Stellen.

Bei der Suche nach einer tragfähigen Lösung für die Zukunft – in Form einer Ausstellung – fühlt sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) allein gelassen. „Das Auswärtige Amt hat die ,Landshut’ auf Initiative des damaligen Außenministers Sigmar Gabriel 2017 unter großem Medienrummel aus Brasilien nach Friedrichshafen gebracht“, so Grütters. Das Auswärtige Amt sei bis heute Eigentümer der „Landshut“ und „damit auch verantwortlich für das, was mit der Maschine passiert“.

Die „Landshut“ steht symbolisch für das, war unter der Bezeichnung „Deutscher Herbst“ ein dunkles Kapitel Nachkriegsgeschichte markiert. Das Jahr 1977 ist von Anschlägen gezeichnet. Nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto erreicht der Terror der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) im September einen neuen Höhepunkt. Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wird entführt, um die inhaftierten RAF-Leute um Andreas Baader und Gudrun Ensslin freizupressen. Zur Unterstützung der Forderung bringen palästinensische Terroristen am 13. Oktober 1977 die „Landshut“ mit 82 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern in ihre Gewalt. Eine der Stationen der Entführung ist Aden, wo Flugkapitän Jürgen Schumann erschossen wird. Auf dem Flughafen der somalischen Stadt Mogadischu stürmt die GSG9 die Maschine und befreit die Geiseln. Unmittelbar danach werden die Leichen der RAF-Häftlinge in ihren Zellen gefunden, Schleyer wird ermordet. Die seit 1970 eingesetzte „Landshut“ bleibt bis 1985 im Flugbetrieb der Lufthansa. Nach dem Einsatz bei verschiedenen Gesellschaften wird die Maschine, zuletzt als Transportflugzeug genutzt, 2008 ausgemustert.

„Bei der ,Landshut’ handelt es sich um ein wichtiges Stück Nachkriegsgeschichte“, sagt Grütters. Im Außenministerium bleibt ein Fragenkatalog mehrfach unbeantwortet. Von dort heißt es nur, Grütters habe „für die kommenden Wochen Gespräche im Ressortkreis über die Erstellung und Umsetzung des Ausstellungskonzeptes angestoßen“. Daran werde sich auch das Auswärtige Amt beteiligen. „Gemeinsames Ziel der Bundesregierung ist, einen Ort für Erinnerung zu schaffen.“ lsw

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