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Finanzierung Rektoren verlangen Nachschlag und garantierte Zuwächse / Bauer vermeidet konkrete Zusagen / Verhandlungen mit dem Land über Fünf-Jahres-Pakt

Hochschulen drohen mit Abbau von Studienplätzen

Archivartikel

Stuttgart.In einer gemeinsamen Initiative haben die Universitäten und anderen Hochschulen eine massive Aufstockung ihrer Finanzierung ab 2021 gefordert. Andernfalls müssten die Angebote gekürzt werden. „Das bedeutet auch, dass Studienplätze in größerem Umfang zur Streichung anstehen könnten“, sagte der Heidelberger Rektor Bernhard Eitel als Sprecher der neun Universitäten in Baden-Württemberg.

Für jeden Student sei ein Zuschlag von 1000 Euro notwendig, verlangten Eitel und Bastian Kaiser, der Sprecher der Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Außerdem müssten die Haushalte der Hochschulen jedes Jahr um drei Prozent automatisch steigen. Das vorgelegte Paket summiert sich auf 470 Millionen Euro jährlich. Für die Duale Hochschule Baden-Württemberg betonte Präsident Arnold van Zyl: „Wir benötigen ab 2021 zusätzliche Mittel und Stellen. Die einzige Alternative hierzu wäre ein Abbau von Studienplätzen.“

Zu der konzertierten Aktion der staatlichen Hochschulen kam es vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen mit dem Land über eine Verlängerung des Hochschulpaktes. Der Fünf-Jahres-Vertrag endet im Dezember 2020. Eitel nannte es „nicht akzeptabel, dass die Hochschulen so wenig Geld zur Verfügung haben“. Pro Student bekämen die Universitäten ein Drittel weniger Geld als vor 20 Jahren. Werde jetzt nicht konsequent in Wissenschaft und Forschung investiert, „wird dies mittel- und langfristig für das Land schmerzhafte Konsequenzen haben“. Eitel wörtlich: „Wir sind das Herzstück des Landes Baden-Württemberg und kein Accessoire.“

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) bezeichnete die finanziellen Forderungen der Hochschulen als im „Grundsatz berechtigt“. Das Land wolle die Grundfinanzierung der Hochschulen für weitere fünf Jahre stärken. Zugleich verwies sie aber auf die Haushaltsdisziplin des Landes.

Die Hochschulen hatten im Vorfeld ihrer Pressekonferenz für ihre Anliegen Unterstützer gesucht. „Die Schere der Unterfinanzierung darf sich nicht noch weiter öffnen“, erklärte für die Arbeitgeberverbände der Heidelberger Unternehmer Rainer Dulger. Leistungsfähige Hochschulen seien notwendig, um „Wohlstand und Beschäftigung in unserem Land langfristig zu sichern“. Vorsichtiger formuliert Christian O. Erbe für die Industrie- und Handelskammern: „Angesichts voraussichtlich stagnierender Studierendenzahlen muss die qualitative Weiterentwicklung der Hochschulen stärker in den Blick rücken.“

Für die Grünen-Regierungsfraktion sagte der Vorsitzende Andreas Schwarz, eine „planbare und verlässliche Finanzierung über mehrere Jahre“ zu. Im künftigen Hochschulpakt sollte der Klimaschutz als neues Ziel verankert werden.

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