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Hessischer Friedenspreis Äthiopischer Ministerpräsident Abiy Ahmed wird für Abkommen mit Eritrea und Demokratisierung geehrt

Hoffnungsträger in Afrika

Archivartikel

Wiesbaden.Seit dem Sturz von Kaiser Haile Selassie 1974 hat es in Äthiopien noch keinen Regierungswechsel ohne Blutvergießen gegeben. Doch seit April 2018 hat das ostafrikanische Land mit Abiy Ahmed Ali einen Ministerpräsidenten, der sich ausdrücklich Frieden und Demokratie verschreibt. Um ihn auf diesem Weg zu ermutigen, wird der 43-Jährige in diesem Jahr mit dem renommierten Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet. Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) und der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, Karl Starzacher, gaben ihn am Dienstag als 25. Preisträger der seit 1994 vergebenen Ehrung bekannt.

Vor allem wird damit gewürdigt, dass sich Ahmed gleich nach seinem Amtsantritt daran gemacht hat, den blutigen Konflikt mit dem langjährigen Erzfeind Eritrea beizulegen. Nach 20 Jahren Kämpfen mit insgesamt über 100 000 Toten erkannte er den umstrittenen Grenzverlauf mit dem Nachbarstaat an, setzte einen Gefangenenaustausch um und nahm den Flugverkehr zwischen beiden Ländern wieder auf. Es kam zu einem historischen Friedensschluss. Dieser und eine darauf aufbauende Versöhnung der lange verfeindeten Nachbarn „wecken Hoffnungen auf eine Stabilisierung der ganzen Region“. So formuliert es die Politik-Professorin Nicole Deitelhoff von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, die auch im Kuratorium zur Auswahl des Preisträgers sitzt.

Aber auch innenpolitisch habe Ahmed in rasantem Tempo schon viel bewegt. Der ehemalige Armeesoldat, der der Minderheit der Oromo in Äthiopien angehört, hob den Ausnahmezustand und die Ausgangssperre im Land auf, ließ unzählige politische Gefangene frei, holte ebenso viele Frauen wie Männer in sein Kabinett und erlaubte auch oppositionellen Gruppen eine politische Betätigung.

Ermutigung, Weg weiter zu gehen

Die Verleihung des Hessischen Friedenspreises an den afrikanischen Regierungschef sei denn auch keine Würdigung seines Lebenswerks, sondern explizit eine Ermutigung, nicht innezuhalten, sondern den eingeschlagenen Weg unbeirrt weiter zu gehen. Eine solche Ermutigung sei auch angesichts des mit der Liberalisierung verbundenen Wiederaufflammens von Gewalt in Äthiopien wichtig, hieß es.

Deitelhoff nennt den äthiopischen Ministerpräsidenten „einen der größten Hoffnungsträger auf dem afrikanischen Kontinent“. Als neuer Preisträger steht Ahmed nun in einer Reihe mit in den vergangenen 25 Jahren ausgezeichneten Persönlichkeiten wie dem ehemaligen Bremer Bürgermeister und Bosnien-Beauftragten Hans Koschnick, dem Dalai Lama, dem Dirigenten Daniel Barenboim, oder der Chefanklägerin gegen Kriegsverbrecher in Den Haag, Carla del Ponti.

Mit 25 000 Euro dotiert

Der äthiopische Premier hat bereits erklärt, dass er den Preis dankend annimmt. Rhein und Starzacher hoffen, dass er zur Verleihung in einer Feierstunde im Wiesbadener Landtag am 23. September auch persönlich anreisen wird.

Der mit 25 000 Euro dotierte Friedenspreis war 1993 vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald (SPD) ins Leben gerufen worden. Es werden jährlich Menschen geehrt, die sich um Völkerverständigung und Frieden verdient gemacht haben. 2018 war die türkische Ärztin und Menschenrechtsaktivistin Sebnem Korur Fincanci für ihren mutigen Einsatz gegen Folter ausgezeichnet worden. (mit dpa)