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Schweinepest Kadaver im Wald bergen Ansteckungsgefahr

Hunde helfen beim Kampf gegen Seuche

Wadgassen.Jagdhund Otto sucht Stück für Stück in großen Runden ein Waldstück ab. „Such, Otto, such!“, ruft ihm sein Herrchen René Wiese zu. Plötzlich stoppt der hellbraune Mischling und setzt sich: Vor ihm liegt ein Stück totes Wildschwein im Laub. „Fein!“, lobt Berufsjäger Wiese. Otto ist ein besonderer Suchhund: Er ist einer der ersten sechs Hunde in Deutschland, die im Saarland zum geprüften Wildschweinkadaver-Suchhund ausgebildet worden sind. Ihr Ziel: Wenn eines Tages die Afrikanische Schweinepest (ASP) ausbricht, sollen sie mit ihren geschulten Nasen schnell tote Schwarzkittel im Wald aufspüren.

„Das schnelle Entfernen des Kadavers wird dann total wichtig sein, weil er ein unglaublicher Infektionsherd ist“, sagt Wiese bei einer Übung mit den Hunden im saarländischen Wadgassen-Friedrichweiler. Amtstierärztin Elisabeth Groß von der obersten Jagdbehörde, die mit ihrer Hündin Nelly bei der Erarbeitung des Lehrgangs mitgemacht hat, sagt sogar: „Das wird der Knackpunkt bei der Bekämpfung der ASP sein.“ Auch im Umkreis des toten Tieres müsse die Gegend dann umfassend desinfiziert werden.

Behörden in den Bundesländern bereiten sich seit zwei Jahren mit vielen Maßnahmen auf einen möglichen ASP-Ausbruch vor. Eine Ausbildung für speziell geschulte Kadaver-Suchhunde mitsamt Leistungsnachweis gebe es aber bisher nur im Saarland, sagt der Leiter des Referates Waldwirtschaft und Jagd im saarländischen Umweltministerium, Hubertus Lehnhausen. Er hatte die Idee für das Pilotprojekt. Warum? „Weil man die Schweine nicht mit Menschenketten suchen kann, wenn die Schweinepest ausbricht.“ Zum einen nicht, weil Menschen beim Absuchen eines großen Geländes die Kadaver unter Büschen und im Geäst leicht übersehen würden. Zudem führe das Durchlaufen eines Sperrgebietes eher zur Verbreitung der für Menschen ungefährlichen Seuche.

Die ASP breitet sich immer weiter um die Welt aus. Am schlimmsten grassiert sie in Asien und Osteuropa. Deutschland blieb bisher verschont, aber Fälle in Polen nahe der Grenze zu Brandenburg verstärken die Sorge vor einer Einschleppung. Das Saarland richtet seinen Blick eher Richtung Belgien, wo die Seuche im September 2018 bei Étalle nahe der luxemburgischen Grenze ausgebrochen ist. „Das ist zum nördlichen Saarland nur noch 35 Kilometer entfernt“, sagt Groß.

Spezieller Lehrgang organisiert

Die Kadaver-Suchhunde stehen im Saarland nun für den Fall der Fälle bereit. Bald kommen weitere hinzu: Die nächste Prüfung sei noch vor Weihnachten angesetzt. „Ich hätte gerne 30 Stück im Saarland“, sagt Lehnhausen. Werde doch ein Restriktionsgebiet eine Größe von 1000 bis 3000 Hektar haben. „Das ist ein ganzer Wald.“ Die Hunde würden aber bei ihrer Suche am Tag jeweils maximal fünf Hektar schaffen. „Wir wollen künftig noch weitere Hunde dafür ausbilden“, kündigt Umweltminister Reinhold Jost (SPD) an.

Den speziellen Lehrgang mit Prüfung hat das Ministerium als oberste Jagdbehörde mit der Vereinigung der Saar-Jäger und einer privaten Hundeschule erarbeitet. Gut ein Jahr hat es gedauert. Unterstützung bekamen die Saarländer vom Leiter der Hundestaffel der Bundespolizei in Koblenz, der auf Anfrage des Saar-Ministeriums regelmäßig bei Übungen dabei war. Er habe ihnen unter anderem das Kisten-Training gezeigt, das auch bei Sprechstoffsuchhunden eingesetzt werde, sagt Wiese.

Das geht so: Mehrere flache Holzkisten stehen nebeneinander. In einer ist etwas versteckt, was der Hund besonders mag – zum Beispiel ein Spielzeug oder wie bei Otto Futter. Mehrmals lässt man den Hund suchen: Er findet das Objekt schnell. Dann legt man ein Stück totes Wildschwein in die Kiste mit dem Spielzeug und koppelt beide Gerüche zusammen. Nach mehreren Suchen nimmt man das Spielzeug weg – und der Hund findet das tote Schwein auch ohne Spielzeug. lrs

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