Länder

Wissenschaft Rasante Entwicklung in Baden-Württemberg seit 2012 / Computer verändern Fachbereiche wie Psychologie oder Philosophie

Hunderte neue Professuren für Digitalisierung

Stuttgart.Immer schneller krempeln die neuen Möglichkeiten der Computer alle Bereiche von Wissenschaft und Forschung um. In einem gemeinsamen Projekt entwickelt die Musikhochschule Trossingen zusammen mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft (HaW) neue Töne für E-Autos, die sonst im Verkehrsalltag leicht überhört werden. Seit 2012 wurden in Baden-Württemberg über 400 Professuren neu geschaffen, die sich mit der Digitalisierung beschäftigen.

"Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis", sagt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Sie hat die aktuelle Erhebung an allen Hochschulen Baden-Württembergs veranlasst. "Digitalisierung lässt sich nicht auf das Fach Informatik beschränken. Das ist ein Prozess, der alle Bereiche unserer Gesellschaft umfasst und folglich alle Studienfächer verändert", betont die Grünen-Politikerin. Deshalb müsse das Themenfeld in allen Fachbereichen verankert werden.

Schwerpunkt Medizin

Die neuen Möglichkeiten der Computer verändern besonders die Medizin. Inzwischen beschäftigen sich Professoren mit den Chancen der computergestützten Erkennung von Herz-Kreislauf-Krankheiten oder der Krebsbekämpfung. Für Bioinformatik gibt es im Südwesten gleich mehrere Professuren. Auch die Veränderungen der Psychologie durch den digitalen Wandel beschäftigt die Wissenschaftler.

Bauer lobt die "umfassende Verankerung der Digitalisierung" an allen Hochschulen. Selbst geisteswissenschaftliche Fächer haben sich auf diesen Prozess ausgerichtet, etwa mit einer Professur, die sich mit der "medialen Teilhabe in digitalen Kulturen" beschäftigt.

Gleich mehrere Digital-Professuren hat die Uni Mannheim in den letzten fünf Jahren eingerichtet. Die Fakultät für Wirtschaftsinformatik erforscht die Verwaltung großer Datenmengen. Die Philosophische Fakultät beschäftigt sich mit digitaler Kommunikation.

Die stärker an der Praxis orientierten HaWs haben sich nach Bauers Aufstellung einen breiten Themenkreis erschlossen. An der Hochschule Heilbronn haben sich Professoren auf die Psychologie in der Softwareentwicklung und die Interaktion zwischen Mensch und Maschine spezialisiert. Die Hochschule Konstanz hat einen Schwerpunkt Sensorik in der Fahrzeugtechnik geschaffen und einen weiteren für medizinische Informatik und Telemedizin.

Zwei Drittel der 400 Professuren sind neu entstanden, finanziert über allgemeine Ausbauprogramme oder über Drittmittel. Beim Rest wurden bestehende Stellen umgewidmet für die Zukunftsforschungen.

Einen weiteren Schub erwartet Bauer durch die Ende Juli beschlossene Digitalisierungsstrategie. Die grün-schwarze Regierung will Baden-Württemberg bis 2021 mit einer Milliarde Euro zur "digitalen Leitregion" umbauen. Ein eigens eingerichteter Kabinettsausschuss unter Vorsitz von Innenminister Thomas Strobl (CDU) soll bis Ende September die Projekte festlegen, die in den nächsten beiden Jahren realisiert werden. Die Haushaltskommission hat dafür zusammen knapp 300 Millionen Euro reserviert.