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Justiz Auftakt im Prozess um die Tote vom Frankfurter Niddapark / Angeklagter bestreitet Vorwürfe / 17 Verhandlungstage angesetzt

„Ich habe Irina nicht umgebracht“

Archivartikel

Frankfurt.Rund 15 Monate nach dem Fund einer blutüberströmten Frauenleiche im Frankfurter Niddapark hat der Mordprozess gegen einen Gastronom begonnen. Als mutmaßlicher Täter steht seit Dienstag der 51 Jahre alte frühere Geschäftspartner der Toten vor dem Landgericht. Der Gastronom soll hohe Schulden bei der 29-Jährigen gehabt haben. Die Anklage wirft dem Deutschen Mord aus Habgier vor. Nach der Tat im Mai 2018 soll der Angeklagte mit einer teuren Uhr, einem Ring und den Autoschlüsseln des Opfers geflohen sein.

„Ich habe Irina nicht umgebracht“, ließ der Angeklagte zu Beginn einer längeren Erklärung über seinen Verteidiger verlauten. Der Anwalt warf der Hauptbelastungszeugin, einer Freundin der getöteten Frau, vor, sie habe die Unwahrheit gesagt, als sie behauptete, das spätere Opfer habe sich am Abend des Tattages zu einem Spaziergang mit dem Angeklagten im Niddapark getroffen. Die Anklage geht davon aus, dass dieses Treffen allein dem Zweck gedient habe, die 29-Jährige wegen der drückenden Schulden aus dem Weg zu räumen. Der Angeklagte hingegen bestritt, an jenem Abend überhaupt im Park gewesen zu sein.

Blutspuren am Tatort gefunden

Die 29-Jährige habe ihm von einer Verabredung mit einem unbekannten Dritten erzählt, berichtete der Angeklagte in seiner Erklärung. Erst als sie sich bis in die späte Nacht nicht mehr bei ihm gemeldet habe, sei er mit dem Motorrad losgefahren und habe sie gesucht. In dem Park habe er schließlich die Leiche gefunden. Aus Angst davor, mit ihrem Tod in Verbindung gebracht zu werden, habe er seine Entdeckung verschwiegen und auch die Polizei nicht alarmiert.

Der Gastronom geriet in das Visier der Ermittler, als Blutspuren von ihm am Tatort sichergestellt wurden. Das Blut stamme von einer Verletzung, die er beim Ausrutschen auf einer Fliese im Badezimmer erlitten habe, sagte er. Der Angeklagte bestritt, Schulden gehabt zu haben. Die 29-Jährige habe ihn immer wieder um Geld für den Kauf von Kokain und Alkohol gebeten.

Die Entdeckung der Frauenleiche mit zahlreichen Messerstichen hatte seinerzeit für viel Aufsehen gesorgt. Die Tote und ihr mutmaßlicher Mörder standen im Jahr 2017 im Mittelpunkt eines Skandals um die Behauptung, in der Silvesternacht hätten zahlreiche Ausländer im Lokal des 51-Jährigen Frauen belästigt. Nachdem sich die Angaben der beiden über den angeblichen „Sex-Mob“ als unwahr herausgestellt hatten, stand ihnen im vergangenen Jahr ein Prozess wegen Falschaussage bevor, zu dem es wegen des Mordes an der 29-Jährigen dann nicht mehr kam.

Die Schwurgerichtskammer hat vorerst 17 weitere Verhandlungstage bis Anfang Januar kommenden Jahres terminiert. lhe