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Landwirtschaft Obstbauern aus dem Südwesten verzeichnen Einbußen bei der Apfelernte / Höhere Preise erwartet

"Ich rechne mit minus 75 Prozent"

Friedrichshafen.Wegen der schlechten Apfelernte rechnen die Landwirte am Bodensee in diesem Jahr mit deutlichen Verlusten - obwohl die Preise für das Obst steigen dürften. "Wir haben europaweit eine deutlich kleinere Ernte, weil es in vielen Ländern massiven Frost gab", sagte Jürgen Nüssle von der Marketinggesellschaft Obst vom Bodensee.

Der Großteil der Ernte aus der Bodenseeregion geht in den Großhandel und Lebensmitteleinzelhandel, wie Nüssle sagte. Die Kunden müssten derzeit mit einem Kilopreis von rund 2,99 statt 1,99 Euro bei Äpfeln rechnen. Wie viel davon beim Erzeuger ankommt, lasse sich pauschal aber nicht sagen - das sei etwa abhängig von der Sorte.

Später Frost mitten in der Blütezeit im April hatte vielen Apfelbauern im Südwesten die Ernte verdorben. Das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Ravensburg (KOB) war vor Erntebeginn von einem Rückgang von 63 Prozent in der Bodenseeregion ausgegangen - demnach würden statt 231 300 Tonnen nur rund 86 000 Tonnen geerntet.

Jürgen Nüssle geht inzwischen sogar von einem noch höheren Verlust aus. "Ich rechne mit minus 75 Prozent." Der Bodensee ist neben dem Alten Land in Hamburg und Niedersachsen eines der wichtigsten Anbaugebiete für Äpfel in Deutschland. Frost und Hagel haben auch nicht nur dem Südwesten zugesetzt: Laut der Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume (LEL) droht europaweit mit 9,3 Millionen Tonnen die kleinste Apfelernte seit zehn Jahren. Für Deutschland werde mit 555 000 Tonnen (minus 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr) sogar der geringste Ertrag seit der Wiedervereinigung prognostiziert.

Regionen wie die Niederelbe seien dank Frostberegnungsanlagen mit Verlusten von geschätzt 35 Prozent noch relativ glimpflich davongekommen, sagt der LEL-Experte Dennis Hezel. In Baden-Württemberg seien dagegen zwei Drittel einer Durchschnittsernte vernichtet worden. lsw