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ZwiBuR Laiendarsteller machen bei Kabarettabend Zeitreise von den alten Griechen bis zu den Jugenddemos „Fridays for Future“

Im Theater zurück in die Zukunft

Hüttenfeld.23 Akteure – so viele wie nie zuvor – standen diesmal beim Kabarettabend des Hüttenfelder Theatervereines „Zwische Bergstrooß un Rhoi“ (ZwiBuR) auf der Bühne – darunter viele neue Gesichter. Vor allem die Jugend ist bei den Laienschauspielern stark auf dem Vormarsch. Und so verwundert das Motto des Abends nicht: „ZwiBuR for Future“ – angelehnt an die Jugend-Demos der vergangenen Wochen. Unterdessen feierten Routiniers wie Andrea Caspar-Thron mit Ehemann Bernd oder Lotti Ehret ihr Comeback. Die Zuschauer – unter ihnen Ortsvorsteher Karl-Heinz Berg – füllten die Katakomben des evangelischen Gemeindezentrums bis auf den letzten Platz.

Die Szenen auf der Bühne wurden zum großen Teil von den „alten Hasen“ wie Vereinspräsident Jürgen Rudolph bestritten. Seine Nummer „Auf der Parkbank“ mit Bodo Ehret ist ein Klassiker. Einfach umwerfend, wie sich die beiden beim „Bier-Yoga“ auf der Bühne räkelten.

Ebenso wenig fehlen durfte der SGH-Sketch an der grün-weißen Stange, der schon aus dem Gründungsjahr der Schauspieltruppe stammt. Auch wenn das Thema „Rassismus im Sport“ am Ende eher betroffen stimmte.

Doch der Reihe nach: Wie es inzwischen schon zur Tradition gehört eröffnete Jochen Köcher den Abend und brachte das Publikum stimmungsmäßig auf Kurs. Bodo Ehret übernahm die Führung durchs Programm. Als „Konfronteur“ leitete er süffisant zu den folgenden Beiträgen hin, ohne zuviel vorwegzunehmen.

Gleichung mit vielen Unbekannten

Die Nachrichten von „Kanal freies Hüttenfeld“ – dieses Mal von Christel Löscher und Undine Ihrig verlesen – nahmen aktuelle Begebenheiten aus dem Stadtteil aufs Korn.

Und es bewegte die Hüttenfelder schon, was es mit den vielen weißen Sprintern in der Viernheimer Straße auf sich hat, und dass die Berechnung der Müllgebühren eine Gleichung mit recht vielen Unbekannten ist.

Das Motto des Abends griff die Jugend mit ihrem Sketch „Früher war alles besser – ZwiBuR for Future“ auf, den Bruno Ehret dem Theaternachwuchs Janine Wüst, Anna Fleig, Dane Ehret, Kim und Pia Rendl auf den Leib geschrieben hatte.

Julia Schnepf brillierte einmal mehr beim Imitieren von Kanzlerin Angela Merkel während Bruno Ehret in diesem Jahr den Zeitungsmotzer gab und den drohenden Umbau des Gemeindezentrums zum Thema machte. Kulturelle Veranstaltungen – wie eben dieser Kabarettabend – könnten danach nicht mehr stattfinden. Sein Appell also: in diesen Räumlichkeiten ein Bürgerzentrum einrichten, von dem alle Vereine profitieren.

Ronald Ehret und seine Frau Manuela gewährten Einblick in ihr Eheleben. Wer im Publikum lachen musste, fand wohl Parallelen bei sich wieder.

Heike Ehret brachte indes auf den Punkt, was viele Kunden an den Supermarktkassen verärgert, die permanent mit Bonus- und Paybackpunkten genervt werden.

Bodo Ehret und Walter Tiedemann mimten auf ihre ganz eigene, urkomische Art Zwillinge im Mutterleib. Allein schon die Idee war Oskar-reif. Und während Nina Kohl eine indiskrete Sprechstundenhilfe verkörperte, die im vollen Wartezimmer lautstark die Leiden der Patienten offenbarte, begaben sich Bernd und Andrea Caspar-Thron nach Mallorca, um klischeehaft das Treiben rund um den Ballermann zu persiflieren.

Viel Anlass zum Nachdenken

Natürlich wird bei ZwiBuR auch gesungen. Andrea Caspar-Thron war für sämtliche Liedumdichtungen verantwortlich. So nahm sie die unsäglichen Wartezeiten in deutschen Arztpraxen aufs Korn. Hier trat neben den schon Erwähnten erstmals Andreas Tochter Anastasia in Erscheinung.

Und was alle in der Kirchengemeinde bewegt, besang schließlich Lotti Ehret im Lied „Völlig schwerelos“. Denn wenn das Gemeindezentrum wie geplant umgebaut wird, werden auch die Zwiburianer bald „räumelos“ sein.

Running-Gag ist traditionell eine Nummer, die sich wie ein roter Faden durch den Abend zieht und immer das gleiche Thema hat. Diesmal nahm Ralf Ehret alias Horst Lichter mit wechselnden Partnern die Sendung „Bares für Rares“ auf die Schippe.

„ZwiBuR, das ist ohnegleichen, Theaterspaß zum Steinerweichen“, schallte es am Ende von der Bühne nach einem Programm, das nicht nur die Lachmuskeln strapazierte, sondern in Hüttenfeld auch zum Nachdenken viel Anlass geboten hatte. ron