Länder

Bildung Quote weiblicher Auszubildender sinkt im Südwesten auf 37,5 Prozent / Berufsschullehrer dringend gesucht / FDP fordert bessere Planung

Immer weniger Mädchen machen eine Lehre

Stuttgart.Nur noch 37,5 Prozent aller Auszubildenden in Baden-Württemberg sind weiblich. Der Anteil der Mädchen ist innerhalb von drei Jahren um 2,2 Prozentpunkte auf 28 300 Azubis gesunken. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) erklärt das zunehmende Ungleichgewicht der Geschlechter mit den Notenunterschieden: „Es kann vermutet werden, dass das insgesamt höhere Niveau der Mädchen bei den Schulabschlüssen bei gleichzeitigem Trend zum Studium ein Erklärungsgrund für die zurückgehende Zahl der Mädchen in der dualen Ausbildung ist.“

Insgesamt wurden seit 2016 aber in Baden-Württemberg wieder mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen. Die Zahl ist bis 2018 von knapp 74 000 um rund zwei Prozent auf 75 300 gestiegen. Trotzdem gibt es mehr Lehrstellen, die nicht besetzt werden konnten. 2018 waren das nach Eisenmanns Zahlen knapp 9 000. Diese Entwicklung belegt nach ihrer Ansicht „das zunehmende Problem der Betriebe, ausreichend Fachkräftenachwuchs zu gewinnen“. Ursache seien rückläufige Schülerzahlen und der Trend zu höheren Abschlüssen und einem anschließenden Studium.

Für den FDP-Abgeordneten Erik Schweickert hat die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze eine „besorgniserregende Höhe“ angenommen. Hier wirke sich die politisch-ideologische Vorgabe der früheren grün-roten Regierung aus, dass jeder zweite Schulabgänger eine akademische Ausbildung anstreben solle.

Unklarer Bedarf

Eisenmann muss in ihrer Stellungnahme zu dem FDP-Antrag einräumen, dass sie keinen Überblick über den Bedarf an Berufsschullehrern hat. Ob Berichte zutreffen, dass bis 2030 fast die Hälfte der Lehrkräfte in Pension gehe, könne nicht beantwortet werden. Das Alter der Lehrer sei nur für die beruflichen Schulen insgesamt bekannt. „Wenn die Daten nicht vorliegen, sollte sich die Kultusministerin umgehend auf die Suche nach ihnen machen“, fordert der FDP-Abgeordnete Klaus Hoher. Die seien eine wichtige Grundlage der Personalplanung.

Schon jetzt unternimmt das Kultusministerium große Anstrengungen, um mehr Berufsschullehrer zu bekommen. Eisenmann listet die laufenden Maßnahmen auf, die vom Seiteneinstieg für Hochschulabsolventen ohne Lehramtsausbildung über die befristete Abordnung von Gymnasiallehrern bis zu Werbebriefen für Bewerber reichen. Spezielle Studiengänge eröffnen auch Interessenten mit Fachhochschulreife das Berufsfeld Gewerbelehrer.

Obwohl es immer wieder Berichte über Miniklassen in Berufsschulen gibt, will Eisenmann keine Schulen schließen. Bei der Abwägung über die Schließung kleiner Standorte müsse bedacht werden, dass Schulstandorte Einfluss auf die Berufswahl der Jugendlichen habe.