Länder

Wohnen Geschäftsführer des Eigentümerverbandes Haus und Grund blickt trotz Corona optimistisch auf die Marktentwicklung

„In Krisenzeiten ist es nicht leicht, neue Mieter zu finden“

Archivartikel

Wiesbaden.Mieter und Vermieter sind nach Einschätzung des Eigentümerverbands Haus und Grund in Hessen bislang gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Sorgen über größere Zahlungsschwierigkeiten bei den Mieten hätten sich nicht bewahrheitet, und von einer Kündigungswelle könne keine Rede sein, sagte Geschäftsführer Younes Frank Ehrhardt im Gespräch mit dieser Redaktion. Wo es Probleme gab, hätten sich Mieter und Vermieter individuell auf eine Lösung verständigt.

Ihr Verband hat im Frühjahr von einer Verunsicherung und großen Nachfrage in den Beratungsgesprächen mit privaten Vermietern zum Thema Coronavirus und mögliche Mietausfälle gesprochen. Ist das heute auch noch so?

Younes Frank Ehrhardt: Nein, das hat sich mittlerweile geändert. Tatsächlich war der Beratungsbedarf vor allem zu Beginn der Pandemie groß, doch das hat sich im Verlauf des Jahres gelegt. Viele kleine Vermieter sind auf die Mietzahlung angewiesen, etwa um die Rente aufzubessern oder Kreditraten abzuzahlen. Wir sind der Auffassung, dass es in solch schwierigen Zeiten grundsätzlich der Solidarität zwischen Mieter und Vermieter bedarf, um unbeschadet aus der Krise zu kommen. Deshalb haben wir von Anfang dazu geraten, dass sich beide Seiten im Fall von Zahlungsschwierigkeiten wegen Corona zusammensetzen, um nach einer individuellen Lösung zu suchen. Das ist offenbar in diesen Fällen auch geschehen.

Es gab ja ein Mietmoratorium, wonach Mietern nicht gekündigt werden darf, die zwischen April und Juni wegen des Coronavirus in Zahlungsrückstand gerieten, sofern sie diesen bis Mitte 2021 begleichen. Müsste man so etwas nicht jetzt in Zeiten des Lockdowns wiederholen?

Ehrhardt: Das Moratorium wurde ja mit der Sorge begründet, dass sich viele Menschen wegen der Corona-Krise die Miete nicht mehr leisten könnten und gar eine Kündigungswelle drohe. Davon kann aber keine Rede sein, so dass es auch keinen Grund für eine Neuauflage gibt. Wir haben beim Civey-Institut eine Umfrage unter Mietern in Auftrag gegeben, die seit April laufend aktualisiert wird. Danach gaben Ende November sieben Prozent an, dass sie Schwierigkeiten mit der Mietzahlung hätten. Vor der Pandemie waren es aber auch schon drei bis vier Prozent, so dass mit Corona nur drei Prozentpunkte hinzukamen. Zudem gab mehr als die Hälfte der Betroffenen an, darüber bereits im Gespräch mit dem Vermieter zu sein. Und gerade private Vermieter sind ja an einem langfristigen und stabilen Mietverhältnis und deshalb an einer Lösung interessiert.

Wie sieht es denn mit finanziellen Schäden insbesondere für kleine Vermieter aus, die auf solche Mietzahlungen angewiesen sind?

Ehrhardt: Die sind verschwindend gering. Die Entwicklung ist sehr erfreulich und widerspricht vielen Befürchtungen aus dem Frühjahr. Dazu hat sicher auch beigetragen, dass die sozialen Sicherungsmaßnahmen bei den Mietern greifen, zum Beispiel das Wohngeld hat sich sehr bewährt. Wir erwarten auch in der bevorstehenden Zeit keine ernsthaften Schwierigkeiten.

Wie sieht es mit gewerblichen Mietern aus?

Ehrhardt: Auch da dürfte es bei finanziellen Schwierigkeiten durch die Corona-Pandemie ein Entgegenkommen der Vermieter geben. Es macht ja keinen Sinn, das Mietverhältnis wegen eines solchen Rückstands zu beenden und dann auf Leerstand sitzen zu bleiben. In Krisenzeiten ist es nicht so leicht, neue Mieter zu finden, und man weiß ja auch nicht vorher, wie es bei denen mit der Zahlung aussehen wird. Zudem hoffen wir, dass die Entschädigungszahlungen des Bundes für den Ausfall im Lockdown den Betroffenen helfen. Schwierig würde es allerdings, wenn ein Lockdown auf den anderen folgt. Daher bin ich beim Gewerbe nicht ganz so optimistisch, wie bei privaten Mietern. Aber wir hoffen, im Lauf des Jahres gemeinsam durch diese schwierige Lage zu kommen.

Wie wirkt sich Corona auf den gewerblichen Immobilienmarkt aus? Bedarf und Preise könnten ja sink en, wenn weiter viele Menschen im Homeoffice arbeiten.

Ehrhardt: Da müssen wir abwarten, wie sich die Situation entwickelt. Viele Gewerbebetriebe konnten sich halten, der ein oder andere nicht, vielleicht weil er vorher schon in Schwierigkeiten war. Die Pandemie und jeder Lockdown bedeuten Umsatzverluste, aber grundsätzlich bin ich guter Dinge, dass sich 2021 manches wieder einpendeln wird.

Der Markt mit Bürobauten wird also nicht zum Erliegen kommen?

Ehrhardt: Nein, davon sind wir überzeugt. Der bewährte Trend zu Homeoffice und der Digitalisierungsschub haben auch das Interesse gestärkt, in ländlichen Räumen zu wohnen. Das bringt eine gewisse Entlastung auf dem angespannten Wohnungsmarkt in Ballungsgebieten wie Rhein-Main, auch wenn es nicht ausreicht, den Druck herauszunehmen. Neubau wird da weiter gefragt sein.

Was stört Sie denn daran, dass der für Wohnungen zuständige hessische Minister Tarek Al-Wazir von den Grünen im Kampf gegen die hohen Mieten auch die vom Bund geschaffene Mietpreisbremse nutzt?

Ehrhardt: Die Ausweitung dieses Instruments von 31 auf 48 Kommunen in Hessen schafft keine einzige neue Wohnung. Das tut nur Neubau. Allein mit dem Dachgeschossausbau im Ballungsraum, wo es ja an Freiflächen mangelt, könnten nach einem Gutachten im Rhein-Main-Gebiet 94 000 bis 112 000 zusätzliche Wohnungen entstehen. Andere gehen weiter als Al-Wazir und verlangen einen Mietendeckel wie in Berlin. Die Kampagne des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann, des Mieterbunds und anderer für einen Mietenstopp in Hessen lässt außer Acht, dass Mietrecht Bundesrecht ist. Das aber sieht keinen Mietendeckel vor, und ich bin überzeugt, dass das Bundesverfassungsgericht bei seinem Urteil im kommenden Jahr die Berliner Regelung als grundgesetzwidrig kassiert. Dass jedes Land ein eigenes Mietrecht hat, macht keinen Sinn. In Berlin wurden nach dem Mietendeckel Investitionen in Neubau und Wohnungsbestand verschoben. Allein die Diskussion darüber ist Gift für den Wohnungsmarkt in Hessen.