Länder

Bodensee In Überlingen sind die Vorbereitungen für das Blütenfest 2020 weit fortgeschritten

„Ist schon Landesgartenschau?“

Überlingen.Die ersten 20 Liegestühle, aus Holz und mit Stoff bespannt, stehen bereits am Hafen – gleich dort, wo die Urlauber ankommen. In der ganzen Stadt sind weitere Exemplare verteilt. In Bäumen baumeln bunte Gießkannen, und auch auf bepflanzte Fahrräder stößt man an zentralen Plätzen. Überlingen ist zwar erst im Sommer 2020 Gastgeber der Landesgartenschau, doch es stimmt seine Besucher und Bürger schon jetzt darauf ein.

„Ja ist denn schon Landesgartenschau?“, fragt sich gar verwundert Hanspeter Walter, der Redakteur des „Südkurier“. Denn was er an einem heißen Tag in den Sommerferien erlebt, überrascht nicht nur ihn, sondern auch die Organisatoren. Da kommen zu einer Baustellenführung rund 600 Interessenten, um zu sehen, wie es auf dem noch abgesperrten Gelände aussieht.

Große Vorfreude bei Bürgern

Die Neugier ist groß, die Vorfreude bei vielen Bürgern spürbar. In fast allen Geschäften, selbst an Privathäusern, sieht man die kleinen Plakate und Handzettel, die auf den Beginn des Vorverkaufs der Dauerkarten am 14. September hinweisen. Schon mehr als 500 Überlinger haben sich gemeldet, dass sie im kommenden Sommer mindestens 60 Stunden ehrenamtlich mithelfen – ob am Einlass, bei kleinen gärtnerischen Einsätzen, Führungen oder Veranstaltungen. Und eine Bürgerinitiative ist bereits dabei, zusammen mit Floristen die Altstadtgassen mit Blumen zu schmücken.

Auf dem Gartenschaugelände sieht es an einigen Stellen so aus, als würde die 179 Tage im Sommer 2020 währende Veranstaltung nächste Woche beginnen. Die Felder für den Wechselflor, insgesamt 3000 Quadratmeter, sind alle fertig angelegt und nur mit schwarzer Folie bedeckt. Stauden blühen bereits prächtig. Fünf Riesenschaukeln stehen am Bodenseeufer – man könnte sie benutzen. Der über 1800 Quadratmeter große Spielepark mit Masten aus Rubienhartholz, einem großen historischen Felchenfischerboot nachempfunden, ist fast fertig und für die ins Wasser des Bodensees ragende neue Seebühne stehen zumindest die Betonfundamente.

„Wir sind voll im Plan“, sagt Marketingchefin Petra Pintscher. Im Oktober 2016 war Baubeginn für die Landesgartenschau – die erste am Bodensee, seit 1980 diese sommerlichen Events in Baden-Württemberg eingeführt wurden. Ihr Ziel ist, dauerhaft neue Grünflächen zu schaffen. Das betont auch Roland Leitner, Geschäftsführer der Landesgartenschau 2020 Überlingen: „Die Gartenschau ist nur das Event. Wesentlich ist doch das, was dauerhaft bleibt für die Bevölkerung, vor allem für Generationen“, hebt er hervor.

In Überlingen haben sich die Bürger dank der Landesgartenschau Flächen zurückerobert, insgesamt elf Hektar. Eine Baustoffhandlung, eine Tankstelle, Lager- und Parkflächen, ein Campingplatz sowie eine lange Betonmauer prägten früher weite Teile der Uferpromenade. „Die Überlinger wollten mehr Zugang zum See, wo sie sich aufhalten, erholen, Zugang zum Wasser haben können“, erläutert Pintscher. Nun sind hier ein Park entstanden, der geschützte Strandrasen sowie Bodensee-Vergissmeinnicht und die Strand-Schmiele, weltweit vom Aussterben bedrohte Arten, angesiedelt worden. Dass für diese Umgestaltung 64 Bäume gefällt wurden, war zwar anfangs umstritten, ist nun aber kein Thema mehr.

Grünes Band durch die Stadt

Auch in der Stadt selbst erhalten die Bürger grüne Flächen zurück – eine Kleingartenanlage und ein Privatgarten, bislang unzugänglich hinter verschlossenen Türen, werden gerade angelegt. Damit zieht sich auch ein grünes Band durch die Stadt zum neuen Uferpark, und auf dem See wird ein „Wassertaxi“ zwischen den verschiedenen Landesgartenschau-Teilen verkehren.

Über all das haben die Überlinger abgestimmt: Die Stadtverwaltung stellte den Siegerentwurf der Landschaftsplaner 2013 unaufgefordert bei einem Bürgerentscheid zur Abstimmung – und erzielte eine Mehrheit von 59,6 Prozent bei 52 Prozent Wahlbeteiligung.

Zum Thema