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Bahnverbindungen Netz in Hessen soll in den nächsten Jahren für die Rekordsumme von 20 Milliarden Euro ausgebaut werden

Jahrzehnt der Schiene verkündet

Archivartikel

Wiesbaden.Ausgerechnet der grüne hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir hat vor Kurzem ein Straßenbauprogramm in Rekordhöhe von rund einer Milliarde Euro allein in diesem Jahr vorgelegt. Doch dabei geht es vor allem um Sanierung sowie um Erhalt. Und: Hessens ranghöchster Grünen-Politiker legte gestern seine Pläne zum Ausbau des Schienen- und Nahverkehrs im Lande vor, die alles andere in den Schatten stellen. 20 Milliarden Euro sollen in den nächsten Jahren dafür ausgegeben werden, zusätzliche Bahnverbindungen zu schaffen, bestehende zu verbessern und bereits stillgelegte wieder in Betrieb zu nehmen.

3,5 Milliarden Euro für Tunnel

Teuerstes Projekt ist der Bau eines Fernbahntunnels unter der Frankfurter Innenstadt mit zusätzlichen unterirdischen Gleisen im überlasteten Hauptbahnhof. Das soll nach Schätzungen alleine 3,5 Milliarden Euro kosten. Doch der Tunnel kann nach Vollendung einer Machbarkeitsstudie wohl erst in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre fertiggestellt werden. Die Pläne, die Al-Wazir in Wiesbaden zusammen mit der Deutschen Bahn und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) vorlegte, umfassen jede Menge weiterer Vorhaben, mit denen zum Teil schon begonnen wurde. Der Minister jedenfalls ist sicher: „Die 2020er Jahre werden das Jahrzehnt der Schiene in Hessen.“

Ländlicher Raum soll profitieren

Das Land investiere so viel wie noch nie dafür, und der Geldsegen solle nicht nur dem Ballungsraum Rhein-Main als unbestrittenem Schwerpunkt zugutekommen. Zugleich diene er einer Verbesserung der Verkehrssituation auf dem Land, wo mancherorts gerade einmal je ein Bus morgens und abends führe. Um rund 200 Kilometer soll das Schienennetz in Hessen wachsen. Und das muss es wohl – nicht nur für Verkehrswende und Klimaschutz, die Al-Wazir als Ziele nannte.

Hinzu kommt, dass das Verkehrsnetz längst an Grenzen stößt. Der RMV-Geschäftsführer berichtet von 855 Millionen Fahrgästen allein 2019. Seit 2015 seien jedes Jahr 15 und zuletzt sogar 30 Millionen hinzugekommen. Die Milliardengrenze wird bald erreicht sein. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird der Zuwachs rund 30 Prozent betragen und ohne einen beherzten Ausbau der Infrastruktur kaum zu bewältigen sein.

Dieser kann freilich nicht ohne eine kräftige Finanzspritze des Bundes erreicht werden. Der steuert nämlich rund 80 Prozent der 20 Milliarden Euro bei. Direkt vom Land kommen nur 1,2 Milliarden Euro, der Rest besteht aus Mischfinanzierungen mit Beteiligung des Landes und der betroffenen Kommunen.

Al-Wazir zufolge gibt die Landesregierung laut des Haushaltsplans in diesem Jahr je eine Milliarde für Straßenbau und Schienennetz aus. Dazu gehören viele Erhaltungsmaßnahmen etwa in maroden Bahnhöfen oder zur Ertüchtigung von Gleisen und Stellwerken. Jens Bergmann von der Netz AG der Deutschen Bahn verweist auf schon abgeschlossene Projekte wie die S-Bahn-Station Gateway Gardens am Frankfurter Flughafen oder das neue Stellwerk im Frankfurter S-Bahn-Tunnel.

Bald wird nach seinen Worten mit dem Bau der Nordmainischen S-Bahn von Hanau über Maintal nach Frankfurt begonnen, ebenso mit dem viergleisigen Ausbau zwischen Hanau und Gelnhausen. Für den Fernverkehr kommen gleich drei Neubaustrecken zwischen Fulda und Mannheim hinzu.

Nicht zuletzt haben die Angebote mit Flatrate-Tickets für Schüler, Studenten, Landesbedienstete und Senioren zu steigenden Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr beigetragen. „Wir wollen, dass mehr Menschen mit Bus und Bahn fahren. Und ich freue mich, dass sie das auch tun“, sagte Al-Wazir. Die stark steigende Zahl der Pendler sei ein gutes Zeichen für eine florierende Wirtschaft in Hessen.

Von den insgesamt 2800 Kilometern Schiene im Land gebe es an 700 Planungen für Sanierung, Ertüchtigung, Elektrifizierung oder Ausbau. Ohne massive Investitionen in die Schiene könnten die Staus auf den Autobahnen nicht aufgelöst werden, zeigte sich Al-Wazir überzeugt.