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Porträt Heutige Landesministerin für Wissenschaft gab 2006 eine Pressekonferenz – als Studentin im Kampf gegen Studiengebühren

Jetzt im Amt: Angela Dorn

Archivartikel

Wiesbaden.Angela Dorn ist erst seit sechs Wochen hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Doch ihre erste Pressekonferenz in dem Ministerium hat die heute 36-jährige Grünen-Politikerin bereits vor zwölfeinhalb Jahren gegeben. Des Rätsels Lösung: Als junge Studentin nahm Dorn 2006 an einer Besetzung des Hauses in der Wiesbadener Rheinstraße teil, und der damalige Ressortchef Udo Corts (CDU) ließ sich auf die Bedingung der Eindringlinge für einen friedlichen Abzug ein. Das war eben jene Pressekonferenz, auf der die Marburger Psychologiestudentin Dorn und deren Mitstreiter ihre Einwände gegen die seinerzeit geplante Einführung von Studiengebühren vortrugen.

Das Thema hat sich längst erledigt, denn in der Zeit der Mehrheit aus SPD, Grünen und Linken im Landtag beschloss das Landesparlament 2008 wieder die Abschaffung der Studiengebühren, der seinerzeit nur geschäftsführend amtierenden CDU-Regierung Roland Koch blieb nichts anderes übrig, als den Beschluss umzusetzen. Dorn, die in der Zeit der Ministeriumsbesetzung 24 Jahre alt und schon Mitglied der Grünen war, gehörte bei der Gesetzesverabschiedung noch nicht dem Wiesbadener Landtag an. Schon gar nicht trug ihre Partei Regierungsverantwortung während der Besetzungsaktion 2006. Dennoch machte sich die Gruppe um die junge Grüne damals schon Gedanken über die Gegenfinanzierung des Verzichts auf Studiengebühren. Die dafür von ihnen vorgeschlagene Einführung der Vermögensteuer hätte das Land allein allerdings gar nicht einführen können, hielt ihnen die regierende CDU entgegen.

Psychisch kranke Straftäter

Wie es sich für Grüne ziemt, verlief die Besetzung des Wissenschaftsministeriums übrigens völlig gewaltfrei, und die Eindringlinge zogen auch nach der erfolgreich verlangten Pressekonferenz friedlich wieder ab. Angela Dorn aber machte unabhängig von der Aktion eine durchaus schnelle und auch steile politische Karriere. Nach Abschluss des Studiums an der Marburger Philipps-Universität arbeitete sie als Psychologin in der forensischen Psychiatrie im nordhessischen Haina mit psychisch kranken Straffälligen, so dass niemand sagen kann, sie sei nach dem Studium gleich Berufspolitikerin geworden.

Das erste politische Mandat war das einer Stadtverordneten in Marburg, das Dorn schon 2006 übernahm und bislang auch noch innehat. Von 2008 bis 2010 war sie – ebenfalls ehrenamtlich – Vorsitzende der Grünen Jugend Hessen. Und schon 2009 zog Dorn als damals jüngste Abgeordnete erstmals in den Hessischen Landtag ein, mit gerade einmal 26 Jahren.

Nacheinander fungierte sie dort als umweltpolitische Sprecherin, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Landtagsfraktion und schließlich auch als Landesvorsitzende ihrer Partei. Und bei der Landtagswahl 2013 war Dorn sogar zusammen mit Tarek Al-Wazir Spitzenkandidatin der Grünen.

Jetzt ist sie als neue Wissenschafts- und Kunstministerin wieder die Jüngste – diesmal im Kabinett von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). In dem Ressort schließt sich für Dorn jetzt ein Kreis, und das nicht nur wegen der Pressekonferenz: „Als ich in den Landtag gewählt wurde, war ich Mitglied im Hochschulausschuss und Sprecherin unter anderem für die Belange der Studierenden. Auch waren es die Studierendenbewegung und die Proteste gegen Studiengebühren, bei denen ich mich erstmals aktiv in die Landespolitik eingemischt habe“, sagt sie. Mit all den Erfahrungen und Einsichten der letzten Jahre könne sie nun „genau die Bereiche gestalten, mit denen ich meine politische Biografie begonnen habe“.

Sowohl im Ministerium als auch bei den Hochschulen und in der Kunstszene sei sie sehr offen aufgenommen worden, „das freut mich sehr“, fügt Dorn hinzu. Als Leitlinie nennt sie in Anspielung auf den grünen Wahlkampfslogan „Vernunft und Leidenschaft“.

Dies sei das beste Gegengift gegen Populismus und autoritäre Ideologien. „Es ist kein Zufall, dass diese die Wissenschaft und die Kunst verachten und deren Freiheit einschränken wollen. Genau deshalb ist es mir besonders wichtig, die Freiheit von Wissenschaft und Kunst zu verteidigen“, betont Angela Dorn. Ihre erste Pressekonferenz als Ministerin in dem einst besetzten Haus hat sie übrigens noch vor sich.