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Islamismus Bis zu 15 Prozent der Häftlinge anfällig

„Kämpfe gegen die Wut“

Archivartikel

Frankfurt.Der Wiesbadener Imam Husamuddin Meyer geht davon aus, dass etwa 10 bis 15 Prozent der muslimischen Häftlinge anfällig für Radikalisierungsversuche sind. „Das sind die Zahlen, die von Gefangenen selbst genannt werden“, sagte Meyer, der seit 2008 als erster und zunächst einziger hessischer Gefängnis-Imam in der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden (JVA) arbeitet. Er halte diese Schätzung aufgrund seiner Arbeit für glaubwürdig.

„Es gibt natürlich auch Ideologen in den Gefängnissen“, sagte Meyer mit Blick auf verurteilte Islamisten. Diese könnten anfällige Mitgefangene manipulieren und radikalisieren. „Natürlich ist das Klientel dort besonders gut geeignet, um Anschläge zu verüben.“

Die Arbeit von Imamen in den JVAs könne hingegen stabilisierend bei den Gefangenen wirken: „Muslimische Seelsorger arbeiten explizit gegen die Wut vieler Menschen an.“ Wer ruhiger und ausgeglichener werde, sei auch weniger anfällig für Gewalt. Zudem erlebe er, dass die Seelsorge-Angebote auf hohe Akzeptanz stoßen. „Etwa 60 bis 70 Prozent der muslimischen Gefangenen nehmen das an, und das hat auch zu großer Dankbarkeit für den deutschen Staat geführt – nach dem Motto, endlich kommt da auch jemand ,von uns’“.

Zahl steigt seit Jahren an

Nach Angaben des hessischen Justizministeriums steigt die Zahl der politisch oder religiös motivierten Gefährder im Strafvollzug seit Jahren an. „In den nächsten Jahren werden wir eine hohe Zahl religiös motivierter Straftäter in unseren Justizvollzugsanstalten bekommen“, erklärte das Ministerium. Darunter seien neben Rückkehrern aus Syrien und dem Nordirak auch Personen, die auf andere Art und Weise versucht hätten, sich an solchen Konflikten im In- und Ausland zu beteiligen. „Die Zeit im Vollzug ist unsere Chance, auf die Täter einzuwirken. Denn jeder verurteilte radikale Salafist wird irgendwann wieder aus den Vollzugsanstalten entlassen“, hieß es weiter. lhe