Länder

Natur In hessischen Wäldern werden versuchsweise Holzerntemaschinen eingesetzt / Verband: Schlimmste Situation nach Zweitem Weltkrieg

Kampf gegen den Borkenkäfer – und die Zeit

Söhrewald.Die Umweltministerin zeigte sich beeindruckt von der Technik, mit der derzeit versuchsweise gegen die folgenschwere Borkenkäfer-Plage in Hessens Wäldern vorgegangen wird. „Das ist ja ganz schön groß, das Ding“, befand Priska Hinz, als sie neben einer Holzerntemaschine stand. Die Grünen-Politikerin besuchte am Donnerstag ein vom Klimawandel und den Folgen arg gebeuteltes Waldgebiet im nordhessischen Söhrewald. Bei dem Ortstermin demonstrierten die Fachleute, wie von Schädlingen befallene Fichten mit einer Holzerntemaschine in Windeseile gefällt werden. Der mit Messern und Walzen bestückte Kopf am Greifarm des Harvesters schneidet die Äste ab und schält die von Borkenkäfern heimgesuchte Rinde ab. Üblicherweise werde diese Technik auf Eukalyptus-Plantagen in Südamerika eingesetzt. Nun soll sie in Hessen im Kampf gegen die Borkenkäfer-Plage helfen.

Denn Hessens Wald leidet, wie auch viele andere Gebiete in Mitteleuropa, unter einer Borkenkäfer-Plage, die ihresgleichen suche. Petra Westphal, Forstamtsleiterin in Melsungen, erklärte der Ministerin. „2018 war für uns Förster und vor allem für den Wald eine echte Katastrophe. Es war heiß, es war trocken. Die Bäume leiden seitdem.“ Die Bäume hätten nicht genug Abwehrkräfte, um sich gegen die Borkenkäfer, die sich so stark vermehrt haben, wehren zu können. Zudem fegten diverse Stürme durch die Wälder und sorgten für umgestürzte Bäume.

Die Förster in Hessen täten derzeit alles, um die Schäden einzudämmen. Das befallene Holz müsse möglichst schnell aus dem Wald herausgeholt werden, um eine weitere Verbreitung der Borkenkäfer zu verhindern. Die Schädlinge sind zwar winzig, nur etwas größer als die Minenspitze eines Kugelschreibers. Doch schon 100 der wenige Millimeter kleinen Käfer reichen, um einen Baum zum Absterben zu bringen, indem sie Nährstoffbahnen schädigen. Für die Forstleute beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Die Schäden sind bereits jetzt gewaltig. Christian Raupach, Geschäftsführender Direktor des hessischen Waldbesitzerverbands, sagte: „Es ist brutal. So ein Zusammentreffen von Stürmen, Dürre und Borkenkäfern haben wir seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gehabt.“